FAITH – Blessed?

 
Label: Record Heaven
Release: 30.05.2008
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 50:19
Stil: Alternative Doom Metal
URL: Faith
 
„True doom metal“ nennen die Schweden selbst ihre Musik, was ihr Spektrum aber nur ungenügend erfasst. Denn neben bleischweren, Slow-Motion Bleigewittern finden sich feine, violinbegleitete symphonische Passagen, folkige Momente, eingeleitet und fröhlich bestimmt durch die berühmte Nyckelharpa, Bläser-Fanfaren (wenn auch gesampelte) und sogar, durchaus überzeugende Ausflüge in die Gregorianik auf Necropolis (einer der Höhepunkte des Albums. Wenn das Lied seinem Ende entgegenstirbt, beginnt man unwillkürlich dem eigenen Herzschlag zu lauschen). Immer wieder natürlich durchzogen von schwermetallenen Gitarrenriffs und geleitet von Christer Nilssons leicht nöligem, aber passendem Gesang. In Songs wie Big Red, Nebraska und Condemned gibt es Anklänge an Danzig und Black Sabbath, doch im Großen und Ganzen musizieren FAITH recht eigenständig. Manchmal werden wie in Father Pious bereits vorhandene Ideen zu breit ausgewalzt, weit öfter öffnen FAITH sich jedoch melodischem und progressivem Wagemut. Blessed? entwickelt sich stetig und bleibt, wenn auch nicht aus einem Guss, doch erstaunlich homogen. Diesen in sich selbst ruhenden Gestus auszuformen hatte die Band auch genügend Zeit, wird als Gründungsjahr doch 1984 angegeben. Und genauso kommt Blessed? daher: gereift und sicher voranschreitend, voller Hymnen schwarzer Melodik. Vielleicht nicht gerade „True doom metal“, aber ein dunkel rockendes Manifest voller Ideen und vielfältiger Einflüsse; progressiver als manches angestrengt wirkende Experiment in Virtuosität ist Blessed? allemal.
PS.: Die „Nyckelharpa“, die im letzten Stück, dem Instrumental mit dem ulkigen (oder sarkastischen) Titel Leipzigpolska noch einen Auftritt hat, ist übrigens eine schwedische Schlüsselfidel, der Drehleier nicht ganz unähnlich.