„True
doom metal“ nennen die Schweden selbst ihre Musik, was
ihr Spektrum aber nur ungenügend erfasst. Denn neben bleischweren,
Slow-Motion Bleigewittern finden sich feine, violinbegleitete
symphonische Passagen, folkige Momente, eingeleitet und fröhlich
bestimmt durch die berühmte Nyckelharpa, Bläser-Fanfaren
(wenn auch gesampelte) und sogar, durchaus überzeugende
Ausflüge in die Gregorianik auf Necropolis (einer
der Höhepunkte des Albums. Wenn das Lied seinem Ende entgegenstirbt,
beginnt man unwillkürlich dem eigenen Herzschlag zu lauschen).
Immer wieder natürlich durchzogen von schwermetallenen
Gitarrenriffs und geleitet von Christer Nilssons leicht nöligem,
aber passendem Gesang. In Songs wie Big Red, Nebraska
und Condemned gibt es Anklänge an Danzig und Black
Sabbath, doch im Großen und Ganzen musizieren FAITH
recht eigenständig. Manchmal werden wie in Father Pious
bereits vorhandene Ideen zu breit ausgewalzt, weit öfter
öffnen FAITH sich jedoch melodischem und progressivem
Wagemut. Blessed? entwickelt sich stetig und bleibt,
wenn auch nicht aus einem Guss, doch erstaunlich homogen. Diesen
in sich selbst ruhenden Gestus auszuformen hatte die Band auch
genügend Zeit, wird als Gründungsjahr doch 1984 angegeben.
Und genauso kommt Blessed? daher: gereift und
sicher voranschreitend, voller Hymnen schwarzer Melodik. Vielleicht
nicht gerade „True doom metal“, aber ein dunkel
rockendes Manifest voller Ideen und vielfältiger Einflüsse;
progressiver als manches angestrengt wirkende Experiment in
Virtuosität ist Blessed? allemal.
PS.: Die „Nyckelharpa“, die im letzten Stück,
dem Instrumental mit dem ulkigen (oder sarkastischen) Titel
Leipzigpolska noch einen Auftritt hat, ist übrigens
eine schwedische Schlüsselfidel, der Drehleier nicht ganz
unähnlich.