FAITH & THE MUSE The Burning Season

 
Label: Out Of Line
Release: 02.06.2003
Von: Psycho
Punkte: 8/10
Time: 52:17
Stil: Gothic Rock
URL: Faith & The Muse
 

So kann’s gehen: obwohl ich mich auf die neue FAITH AND THE MUSE schon seit Jahren gefreut habe, ist mir der VÖ-Termin irgendwie durch die Lappen gegangen, wodurch ich letztendlich nur per Zufall feststellte, dass The Burning Season schon seit fast zwei Monaten auf dem Markt ist. Also habe ich mich im Laden auch gar nicht mehr mit Probe hören beschäftigt, sondern die CD direkt eingekauft. Das war sicherlich kein Fehler, allerdings sollte man auch seine Erwartungshaltung, sofern diese noch in Richtung amerikanischen Goth Rock der Güteklasse 1A geht, doch etwas revidieren. Was in diesem Fall bedeutet, dass FAITH AND THE MUSE sich musikalisch bis auf wenige Ausnahmen recht drastisch neu ausgerichtet haben.

Zunächst gibt es aber gewohnte Kost zu hören. Das Intro Bait & Switch klingt typisch, und auch das erste Stück Sredni Vashtar rockt gut los und vermag mit flirrenden, aber harten Gitarren, viel Schlagzeug und dem erstklassigen Gesang zu überzeugen. Doch bereits mit Boudiccea wird es deutlich ruhiger, aber dafür auch noch atmosphärischer. Ein Stück, das man nur schwer beschreiben kann, jedoch mehr in Richtung Wave geht und einfach nur wunderschön ist. Ein wenig fühle ich mich an die älteren Sachen der Cranes erinnert; definitiv eines der Highlights der CD! Das Titelstück selber ist das erste Stück auf The Burning Season ganz ohne Gitarren. Musikalisch treffen sich hier Soundtrack-artiger Neofolk und sanfter Electro in einer gelungenen Kombination, trotzdem muss man sich daran erst ein wenig gewöhnen.

Leider bleibt das Niveau nicht durchgehend hoch. Gab es auf der letzten Veröffentlichung The Evidence Of Heaven einige Hänger mangels guter neuer Ideen, so hat man diesmal den Eindruck, als ob nicht alle neuen Stilelemente wirklich gut integriert wurden bzw. sogar eher überflüssig sind. So würde z.B. Whispered In Your Ear ohne den unterlegten stumpfen Tanzboden-Rhythmus wohl deutlich besser klingen. In The Amber Room hingegen schrammt nur knapp daran vorbei, in die klischeehafte Enya-meets-Wave-Ecke gesteckt zu werden. Misslungen ist auch der Relic Song, bei dem es sich um eine Abrechnung mit bzw. ironische Betrachtung der Nu Punk-Bewegung handelt. Textlich mag das ja noch funktionieren, aber musikalisch gesehen ist das Stück dazu viel zu bieder und uninspiriert ausgefallen.

Gelungen ist hingegen das jazzige und unglaublich melancholische Gone To Ground, dass die s/w-Vision Whiskey-trinkender Männer in verräucherten Bars heraufbeschwört, während draußen Dunkelheit und Regen mit dem Licht der Laternen kämpfen. Kein Wunder, dass diese Typen sich jeden Abend dem Suff ergeben... Trotzdem ein Stück, das ich eher dem Repertoire von Siouxsie & The Banshees zugeordnet hätte. Auch diesmal verleiht William Faith nur einem der Tracks seine Stimme, nämlich Failure To Thrive. Und wie üblich fragt man sich, warum er das nicht wenigstens bei zwei oder drei Stücken mehr tut. Z.B. bei Prodigal, dem vorletzten und wieder härter ausgefallen Stück, bevor der Willow's Song rein akustisch und keltisch angehaucht das Ende der Burning Season bestreitet.

Insgesamt also eine zumindest in Teilen zwiespältige Angelegenheit, obwohl das Album in Gänze einen durchaus starken Eindruck hinterlässt. Nicht zuletzt deswegen, weil wir es hier mit kompetenten Musikern und einer stimmlich sehr variabel agierenden Monica Richards zu tun haben. Enttäuscht war ich allerdings von der Aufmachung, die doch ein wenig lieblos wirkt. Vielleicht hatte ich die CD ja auch deswegen so lange übersehen...
Jedenfalls scheinen sich FAITH AND THE MUSE musikalisch derzeit massiv weiter zu entwickeln, und man darf gespannt sein, wo das noch hinführen wird. Gewisse Parallelen zu den bereits erwähnten Siouxisie & The Banshees oder auch Morthem Vlade Art lassen sich durchaus heranziehen. Jetzt nicht als direkter musikalischer Vergleich, sondern mehr generell betrachtet. Ich bleibe in dieser Hinsicht auf jeden Fall neugierig...