Die
11 Orgies Of Massenjoyment On The Dark Side Of The Planet,
so der Untertitel der neuen CD von EVEREVE
hinterlassen bei mir ehrlich gesagt ein großes Fragezeichen.
Ich habe nämlich keine Ahnung, was genau das denn da jetzt
sein soll, was die Band hier mit ihrem fünften Album abgeliefert
hat.
Kommen wir
daher erst mal zu den Fakten: die Zeiten, in denen EVEREVE
trotz grandiosem Stilmix noch recht passend mit Gothic Metal
zu beschreiben waren, sind definitiv (und eigentlich auch schon
mit dem letzen Album E-Mania) vorbei.
Was zwar schade ist, da z.B. die zweite CD Stormbirds
immer noch zu meinen Faves aus diesem Bereich gehört, aber
wer will schon eine Band verurteilen, die sich hörbar entwickelt
und an sich arbeitet?
Dummerweise ist .Enetics aber eine
Platte geworden, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist, die
sich zwar aus allen möglichen Töpfen (Gothic, Metal,
Industrial, Electro, etc.) bedient, aber irgendwie nie konsequent
ist. Man hat ständig den Eindruck, von der einen oder anderen
Sache noch ein Quentchen zu vermissen, ohne das die ganze Geschichte
wirklich zu Ende gebracht wird. Trotzdem muss klar gesagt werden,
das diese Platte eindeutig besser ist als der Vorgänger.
Aber, und um den Zwiespalt perfekt zu machen, das Album ist
auf der anderen Seite in sich erstaunlich homogen! Songs und
Sounds passen perfekt zusammen, es gibt keine Stilbrüche,
und man kann sich die CD hervorragend am Stück anhören.
Allerdings kommt dann hier das durch die gerade angeführten
Punkte entstehende Manko ins Spiel: .Enetics verführt
nämlich (zumindest mich) nicht dazu, die Platte gleich
direkt noch mal zu hören. Dafür bleiben die Melodien
und Ideen einfach zu sehr an der Oberfläche; es fehlt an
raffinierten Details, Sachen, wo man mal genauer hinhören
möchte, Dingen, die man erst nach mehrfachen Durchläufen
entdeckt. Und es fehlt an in die Tiefe gehenden Emotionen, was
eigentlich noch schlimmer ist. Jedenfalls sind das alles Merkmale,
die die Band früher ausgezeichnet haben...
Fast könnte man schon von einer coolen, beinahe berechnenden
Straightheit sprechen, so direkt sind die Stücke geworden,
obwohl die verwendeten Melodien und Breaks durchaus musikalisch
kompetent sind. Damit haben EVEREVE diesmal
zwar tolle Hintergrund-Musik für den Alltag komponiert,
aber leider auch nicht mehr. Nebenbei bemerkt ist dies vor allem
dann unpraktisch, wenn man eine CD besprechen will; plötzlich
ist die Scheibe schon zu Ende, ohne dass man einen Aufhänger
für die Review erlauscht hätte.
Mir persönlich
ist das, auf ein ganzes Album bezogen, eindeutig zu wenig, vor
allem wenn man die Möglichkeiten dieser Band bedenkt. An
sich mag ich ja genreübergreifende Sachen, aber hier zündet
der Mix in meinen Augen halt nicht, obwohl für es sich
für "neutralere" Hörer, die nicht so direkt
aus dem Metal/Gothic-Umfeld kommen, ohne weiteres um ein sehr
interessante harte Rock-Platte (wertfrei gemeint; Rock ist schließlich
kein Schimpfwort) handeln könnte. Da unsere Zielgruppe
aber eine andere ist, bleiben die Bedenken aus meiner Sicht
bestehen. Folglich gibt es von mir trotz einer objektiv gesehen
vielleicht besseren Leistung nur knappe 7 Punkte für die
präsentierten elf Orgien. Bleibt abzuwarten, ob das Massenvergnügen
in Zukunft nicht doch zur seichten Samstagabend-Unterhaltung
verkommt...