EVEREVE – .Enetics

 
Label: Massacre
Release: 24.03.2003
Von: Psycho
Punkte: 7/10
Time: 43:08
Stil: Rock/Metal
URL: EverEve
 

Die 11 Orgies Of Massenjoyment On The Dark Side Of The Planet, so der Untertitel der neuen CD von EVEREVE hinterlassen bei mir ehrlich gesagt ein großes Fragezeichen. Ich habe nämlich keine Ahnung, was genau das denn da jetzt sein soll, was die Band hier mit ihrem fünften Album abgeliefert hat.

Kommen wir daher erst mal zu den Fakten: die Zeiten, in denen EVEREVE trotz grandiosem Stilmix noch recht passend mit Gothic Metal zu beschreiben waren, sind definitiv (und eigentlich auch schon mit dem letzen Album E-Mania) vorbei. Was zwar schade ist, da z.B. die zweite CD Stormbirds immer noch zu meinen Faves aus diesem Bereich gehört, aber wer will schon eine Band verurteilen, die sich hörbar entwickelt und an sich arbeitet?
Dummerweise ist .Enetics aber eine Platte geworden, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist, die sich zwar aus allen möglichen Töpfen (Gothic, Metal, Industrial, Electro, etc.) bedient, aber irgendwie nie konsequent ist. Man hat ständig den Eindruck, von der einen oder anderen Sache noch ein Quentchen zu vermissen, ohne das die ganze Geschichte wirklich zu Ende gebracht wird. Trotzdem muss klar gesagt werden, das diese Platte eindeutig besser ist als der Vorgänger. Aber, und um den Zwiespalt perfekt zu machen, das Album ist auf der anderen Seite in sich erstaunlich homogen! Songs und Sounds passen perfekt zusammen, es gibt keine Stilbrüche, und man kann sich die CD hervorragend am Stück anhören.
Allerdings kommt dann hier das durch die gerade angeführten Punkte entstehende Manko ins Spiel: .Enetics verführt nämlich (zumindest mich) nicht dazu, die Platte gleich direkt noch mal zu hören. Dafür bleiben die Melodien und Ideen einfach zu sehr an der Oberfläche; es fehlt an raffinierten Details, Sachen, wo man mal genauer hinhören möchte, Dingen, die man erst nach mehrfachen Durchläufen entdeckt. Und es fehlt an in die Tiefe gehenden Emotionen, was eigentlich noch schlimmer ist. Jedenfalls sind das alles Merkmale, die die Band früher ausgezeichnet haben...
Fast könnte man schon von einer coolen, beinahe berechnenden Straightheit sprechen, so direkt sind die Stücke geworden, obwohl die verwendeten Melodien und Breaks durchaus musikalisch kompetent sind. Damit haben EVEREVE diesmal zwar tolle Hintergrund-Musik für den Alltag komponiert, aber leider auch nicht mehr. Nebenbei bemerkt ist dies vor allem dann unpraktisch, wenn man eine CD besprechen will; plötzlich ist die Scheibe schon zu Ende, ohne dass man einen Aufhänger für die Review erlauscht hätte.

Mir persönlich ist das, auf ein ganzes Album bezogen, eindeutig zu wenig, vor allem wenn man die Möglichkeiten dieser Band bedenkt. An sich mag ich ja genreübergreifende Sachen, aber hier zündet der Mix in meinen Augen halt nicht, obwohl für es sich für "neutralere" Hörer, die nicht so direkt aus dem Metal/Gothic-Umfeld kommen, ohne weiteres um ein sehr interessante harte Rock-Platte (wertfrei gemeint; Rock ist schließlich kein Schimpfwort) handeln könnte. Da unsere Zielgruppe aber eine andere ist, bleiben die Bedenken aus meiner Sicht bestehen. Folglich gibt es von mir trotz einer objektiv gesehen vielleicht besseren Leistung nur knappe 7 Punkte für die präsentierten elf Orgien. Bleibt abzuwarten, ob das Massenvergnügen in Zukunft nicht doch zur seichten Samstagabend-Unterhaltung verkommt...