EPHRAT – No One’s Words

 
Label: InsideOut Music
Release: 22.08.2008
Von: Joking
Punkte: 9/10
Time: 59:43
Stil: New Art Rock
URL: Ephrat
 
Israel scheint sich zu einer Art Gütesiegel für herausragende Debüts zu entwickeln. Nach Amaseffer brillieren nun EPHRAT mit No One’s Words. Kein geringerer als Porcupine Tree’s Mastermind Steven Wilson war für den wohlklingenden Mix und das Mastering zuständig, als Gastsänger überzeugen Petronella Nettermalm (Paatos) und Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation), übertreffen mit ihren Vorträgen den ordentlichen, aber nicht herausragenden Stammsänger Lior Seker. Dessen Stimme wird zur Effekthebung gerne elektronisch verfremdet, was die moderate Härte, die dem Schönklang auf No One’s Words ein stabiles Rückgrat verleiht, unterstützt. Berührungspunkte gibt es mit Porcupine Tree, aber mehr noch mit den Polen Riverside, wobei die Musik EPHRATs homogener erscheint und zudem mit gelegentlichen Ausflügen ins heimische Kulturgut glänzt. Die sechs Stücke nehmen sich bei einer Länge von fünf bis neunzehn Minuten ausreichend Zeit, Ideen zu entwickeln, auszuarbeiten und spannend vorzutragen. Meistens lösen sich aus einem dezent metallischen Kontext melancholische, getragene Passagen, die dann sachte wieder in gepflegte Härte übergehen. Paradebeispiel dafür ist der dritte Song Better Than Anything, der gerade in den langsamen Teilen mit Gänsehautatmosphäre glänzt. Ein weiteres Highlight ist Daniel Gildenlöws Beitrag zum formidablen Neuneinhalbminüter The Sum Of Damage Done, während Petronella Nettermalm einen lyrischen Brückenschlag zwischen jazziger Phrasierung und The Gathering setzt. Der abschließende Longtrack Real beginnt zart akustisch, nimmt aber nach wenigen Sekunden bereits Tempo auf, um in eine verspielte Verbeugung vor den Beatles überzugehen. Das anschließende atmosphärische Wechselspiel zwischen lauten und leisen Passagen – inklusive sekundenlanger Techno-Referenzen - trägt den überlangen Song spannend und gekonnt über die Ziellinie. Für die hypnotische Schlussphase würden minder begabte Musiker mittelschwere Verbrechen begehen. No One’s Words ist ein sowohl inhaltlich wie produktionstechnisch ausgereiftes Erstlingswerk von teilweise atemberaubender Stärke. Der ein oder andere unausgegorene Effekt lässt sich zwar mit der Lupe finden, und die Gäste werfen - wie oben erwähnt – ein allzu helles Licht auf den eigentlich akzeptablen Sänger Lior Seker, aber das macht nichts, denn insgesamt ist No One’s Words ein melodischer und atmosphärischer Hochgenuss. Wir werden weiterhin gespannt die Augen und Ohren gen Israel richten.