Israel
scheint sich zu einer Art Gütesiegel für herausragende
Debüts zu entwickeln. Nach Amaseffer brillieren nun EPHRAT
mit No One’s Words. Kein geringerer als
Porcupine Tree’s Mastermind Steven Wilson war für
den wohlklingenden Mix und das Mastering zuständig, als
Gastsänger überzeugen Petronella Nettermalm (Paatos)
und Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation), übertreffen
mit ihren Vorträgen den ordentlichen, aber nicht herausragenden
Stammsänger Lior Seker. Dessen Stimme wird zur Effekthebung
gerne elektronisch verfremdet, was die moderate Härte,
die dem Schönklang auf No One’s Words
ein stabiles Rückgrat verleiht, unterstützt. Berührungspunkte
gibt es mit Porcupine Tree, aber mehr noch mit den Polen Riverside,
wobei die Musik EPHRATs homogener erscheint und zudem
mit gelegentlichen Ausflügen ins heimische Kulturgut glänzt.
Die sechs Stücke nehmen sich bei einer Länge von fünf
bis neunzehn Minuten ausreichend Zeit, Ideen zu entwickeln,
auszuarbeiten und spannend vorzutragen. Meistens lösen
sich aus einem dezent metallischen Kontext melancholische, getragene
Passagen, die dann sachte wieder in gepflegte Härte übergehen.
Paradebeispiel dafür ist der dritte Song Better Than
Anything, der gerade in den langsamen Teilen mit Gänsehautatmosphäre
glänzt. Ein weiteres Highlight ist Daniel Gildenlöws
Beitrag zum formidablen Neuneinhalbminüter The Sum Of
Damage Done, während Petronella Nettermalm einen lyrischen
Brückenschlag zwischen jazziger Phrasierung und The Gathering
setzt. Der abschließende Longtrack Real beginnt
zart akustisch, nimmt aber nach wenigen Sekunden bereits Tempo
auf, um in eine verspielte Verbeugung vor den Beatles überzugehen.
Das anschließende atmosphärische Wechselspiel zwischen
lauten und leisen Passagen – inklusive sekundenlanger
Techno-Referenzen - trägt den überlangen Song spannend
und gekonnt über die Ziellinie. Für die hypnotische
Schlussphase würden minder begabte Musiker mittelschwere
Verbrechen begehen. No One’s Words ist ein
sowohl inhaltlich wie produktionstechnisch ausgereiftes Erstlingswerk
von teilweise atemberaubender Stärke. Der ein oder andere
unausgegorene Effekt lässt sich zwar mit der Lupe finden,
und die Gäste werfen - wie oben erwähnt – ein
allzu helles Licht auf den eigentlich akzeptablen Sänger
Lior Seker, aber das macht nichts, denn insgesamt ist No
One’s Words ein melodischer und atmosphärischer
Hochgenuss. Wir werden weiterhin gespannt die Augen und Ohren
gen Israel richten.