ENSLAVED – Vertebrae

 
Label: Indie Recordings
Release: 29.09.2008
Von: Haris
Punkte: 9/10
Time: 49:01
Stil: Black/Progressive Metal
URL: Enslaved
 
ENSLAVED haben mit ihrem zehnten Output (Split-CDs und Demos nicht mit eingerechnet) an ihrem Bandkredo „anspruchsvolle Klänge treffen auf Wut trifft auf 70er Jahre Progrock trifft peripher auf 90er Jahre Black Metal“ festgehalten. Und so ist auch Vertebrae ausgeklügelt durchkomponiert und im Black Metal Bereich unvergleichbar anspruchsvoll geworden, hat aber vor allem durch Grutles Gesang den Bezug zur Basis stets im Blickwinkel. Dass es einem die Norweger dabei nicht leicht machen würden, war bereits von vornherein klar. Wer mit dem bisherigen Werken ENSLAVEDs noch nicht vertraut ist, könnte beim Versuch, zu verstehen, was die Band einem mit Vertebrae vorsetzt und abverlangt, schnell verängstigt die Flucht ergreifen. Diejenigen unter Euch, egal, ob aus dem Black Metal Keller kommend oder aus dem Progressive Rock/Metal Labyrinth irrend, die Scheuklappen nur vom Pferdegeschirr her kennen, werden mit dem aktuellen Album der Bergener von mal zu mal wachsen, je öfter Ihr es hört.
ENSLAVED setzen auf ihrer Odyssee auf andere musikalische Stilmittel als ähnlich innovative Bands wie Tool, Meshuggah oder auch Katatonia. Hier gibt’s keine Polyrhythmen, hier werden keine mathematischen Formeln beim Komponieren angewandt. Der Teufel steckt nämlich im Detail. Auf Vertebrae findet man so gut wie gar keinen einfachen Powerchord, sondern jederzeit komplexe Akkorde mit zum Teil jazzigen Charakter, keine Melodien nach Schema F (z.B. Blues Tonleiter und dergleichen). Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass jede einzelne Note sorgfältig und wohl durchdacht an die nächste gereiht wurde. Dabei wirkt das Ergebnis aber alles andere als kopflastig. Jedes Riff ergibt Sinn, kein einzelner Ton ist überflüssig.
So weit, so gut. Eigentlich ein klares 10-Punkte-Album, könnte man meinen. Wäre es auch geworden, wenn Grutle die aggressiven Vocals etwas abwechslungsreicher darbieten und wenn die Produktion mehr knallen würde. Das Endergebnis klingt von produktionstechnischer Seite fast ein bisschen harmlos verglichen mit dem größtenteils sehr rauen Charakter der Kompositionen.