ENSLAVED
haben mit ihrem zehnten Output (Split-CDs und Demos nicht mit
eingerechnet) an ihrem Bandkredo „anspruchsvolle Klänge
treffen auf Wut trifft auf 70er Jahre Progrock trifft peripher
auf 90er Jahre Black Metal“ festgehalten. Und so ist auch
Vertebrae ausgeklügelt durchkomponiert und
im Black Metal Bereich unvergleichbar anspruchsvoll geworden,
hat aber vor allem durch Grutles Gesang den Bezug zur Basis
stets im Blickwinkel. Dass es einem die Norweger dabei nicht
leicht machen würden, war bereits von vornherein klar.
Wer mit dem bisherigen Werken ENSLAVEDs noch nicht vertraut
ist, könnte beim Versuch, zu verstehen, was die Band einem
mit Vertebrae vorsetzt und abverlangt, schnell
verängstigt die Flucht ergreifen. Diejenigen unter Euch,
egal, ob aus dem Black Metal Keller kommend oder aus dem Progressive
Rock/Metal Labyrinth irrend, die Scheuklappen nur vom Pferdegeschirr
her kennen, werden mit dem aktuellen Album der Bergener von
mal zu mal wachsen, je öfter Ihr es hört.
ENSLAVED setzen auf ihrer Odyssee auf andere musikalische
Stilmittel als ähnlich innovative Bands wie Tool, Meshuggah
oder auch Katatonia. Hier gibt’s keine Polyrhythmen, hier
werden keine mathematischen Formeln beim Komponieren angewandt.
Der Teufel steckt nämlich im Detail. Auf Vertebrae
findet man so gut wie gar keinen einfachen Powerchord, sondern
jederzeit komplexe Akkorde mit zum Teil jazzigen Charakter,
keine Melodien nach Schema F (z.B. Blues Tonleiter und dergleichen).
Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass jede einzelne Note sorgfältig
und wohl durchdacht an die nächste gereiht wurde. Dabei
wirkt das Ergebnis aber alles andere als kopflastig. Jedes Riff
ergibt Sinn, kein einzelner Ton ist überflüssig.
So weit, so gut. Eigentlich ein klares 10-Punkte-Album, könnte
man meinen. Wäre es auch geworden, wenn Grutle die aggressiven
Vocals etwas abwechslungsreicher darbieten und wenn die Produktion
mehr knallen würde. Das Endergebnis klingt von produktionstechnischer
Seite fast ein bisschen harmlos verglichen mit dem größtenteils
sehr rauen Charakter der Kompositionen.