Die
optische Gestaltung (das „Psalmenbuch“) von Black
Church hinterlässt schon einmal einen positiven
Eindruck: einfach, auf das Wesentliche reduziert, aber dennoch
stilvoll, überzeugt die Hülle das Auge des Betrachters.
Wichtiger aber ist, dass auch die lyrische und akustische Seite
viel versprechend ausgefallen sind. Beim ersten Höreindruck
wirkt das schwarze Album noch zu gewöhnlich, bleiben doch
zu wenige Songs im Ohr hängen, doch schon beim Erstkontakt
wird mein Interesse geweckt, mich näher mit den komplexen
Liedern auseinanderzusetzen. So entfaltet sich der Reiz der
finnischen Black-Metal-Band erst so nach und nach.
Das Album ist in drei Kapitel unterteilt, Kapitel Nummer 1,
Our Life Is In Wormwood Christ betitelt, bietet mit
dem Tango Abstinento einen wirklich herausragenden
Song, der mit einem eingängigen Headbangteil aufhorchen
lässt. Nachfolgendes Chalk Face zeigt sich sogar
mit „Hey, Hey“ – Mitgröhltexten. Die
Stimme weist verschiedene Facetten auf, die von fies kreischend,
heiser krächzend über dunkel grollend, bis zu choralartigen
Passagen eine große Vielfalt bietet. Mir gefällt
recht gut, dass ENOCHIAN CRESCENT ihr Heil
nicht nur in der Geschwindigkeit suchen, und so ist Black
Church keine Highspeedorgie ohne Verschnaufpause
geworden, nein, ganz im Gegenteil: Finnische Andersartigkeit
steht im Vordergrund, pechschwarze Stimmungsbögen entstehen
durch rollende Midtemposongs, bereichert durch intensive und
sich einprägende Texte wie in Thousand Shadows
– das alles lässt keine Wünsche offen! Ein verdammt
gelungener Track, dem das leider viel zu kurze Ghost Of
Saturn in nichts nachsteht. Wenn ich etwas an Black
Church auszusetzen habe, dann die etwas zu kurze
Gesamtspielzeit, doch besser viele gute Ideen auf wenige Minuten
verteilt als umgekehrt!