Brutal
Jazz Metal, das will erst mal näher erläutert werden,
bevor die Klänge der Sicko-Kapelle Exit 13 aus den Erinnerungen
zum Leben erwachen: Die Drums und das Riffing verlieren sich
schon mal gerne in den Jazzgefilden, ohne dabei aber wirklich
so stilbruchsicher und dominant zu sein, wie bei den Ami-Kollegen.
Eher verschachteln ENIGMATIK diese Ausbrüche in
dem zweifelsohne experimentierfreudigen Grindcore und Death
Metal. Und wenn ich sage experimentierfreudig, dann unterstreicht
das der progressive Einschlag, die teilweise verschachtelten
Songstrukturen und die ab und an ausufernden, mit Samples unterlegten,
intellektuellen Parts, bei denen wenig bis fast gar nicht musiziert
wird. Wenn denn aber musikalisch gezockt wird, gibt’s
weitestgehend die Breitseite aus straighten Passagen und rasenden
Drumming. Und um alles wieder auf den Kopf zu stellen, schlagen
die Schweizer beim letzten Track Metropolis Chill-Out
geeignete Klänge an. Gott sei Dank muss man da fast sagen,
bleiben die Vocals, gerne gedoppelt und angelehnt an Glen Benton,
dabei durchweg auf tiefen Growlniveau. Der Sound an sich dürfte
gerne kompakter auftreten. Slitherin klingt so
in den Hau-drauf Parts doch etwas neben sich stehend, als das
die einzelnen Instrumente eine „harmonische“ Einheit
schaffen. Das alles komprimiert auf 74 Minuten macht Slitherin
wahrlich zu einem nicht einfachen Album. Mehrere Durchläufe
sind hier unabdingbar, um den Stoff zu greifen. Das ENIGMATIK
mit diesem Sound aber dennoch überzeugen können und
sich behauptet haben, beweist alleine, das sie seit 1997 im
Geschäft sind und dieser Output nach zwei Demos die mittlerweile
5. Veröffentlichung ist. Ein Release der für einige
in der Spielzeit sicherlich gerne um die Hälfte gekürzt
werden könnte, für andere werden diese 74 Minuten
aber dennoch zu kurz sein. Mir ist Slitherin eine
Spur Experiment zu viel, und alleine die Grind-Death Parts rechtfertigen
noch keine sattelfeste gute Bewertung für ENIGMATIK.