Enertia – Force
 
Label: Mausoleum Records
Release: 08.11.2004
Von: Psycho
Punkte: 9
Time: 53:22
Stil: US Metal
URL: Enertia
 

Trends sind so eine Sache: viele sind, meistens zum Glück, sehr kurzlebig, andere wiederum sind selbst nach Jahrzehnten nicht totzukriegen, obwohl sich das niemand wirklich erklären kann (oder will). Es gibt aber auch zeitlose Dinge, die nie Trend waren, es nie sein werden und trotzdem absolut essentiell sind.
In diese Rubrik lässt sich auch die Musik auf der ersten offizielle CD des amerikanischen Quartetts ENERTIA einordnen, denn auf Force findet ihr arschgeilen METAL (!) der Extraklasse, mit viel Enthusiasmus komponiert und dargeboten, mit reichlich guten Ideen bestückt sowie definitiv und total gegen jeden Trend der letzten Jahre. Vergesst unnützen True Metal oder ähnlichen Revival-Quatsch der letzten Jahre; das hier ist wirklich Heavy Metal, so wie er sein sollte: schweißtreibend, kraftvoll, handgemacht und im besten Sinne unkommerziell.
Dabei lässt es sich zumindest für mich nicht verleugnen, dass ENERTIA an der einen oder anderen Stelle doch etwas an die ganz alten Armored Saint erinnern, wobei dies natürlich eine erstklassige Referenz ist. Allerdings sind die Songs auf Force stilistisch doch breiter gefächert und die zuweilen genutzten moderneren Einflüsse wurden sehr geschickt integriert. Die Stücke sind technisch teilweise sehr anspruchsvoll (vor allem die Gitarrenarbeit), jedoch driftet man nie in Prog-Gefilde ab, sondern bleibt immer bei der klaren Power-Metal-Linie. Sänger Scott Featherstone trägt seine Berufsbezeichnung übrigens zu Recht und hat zudem für diese Art Musik die ideale Stimme: rau, sehr kraftvoll, aber auch nicht zu hoch. Ansonsten fällt noch die große Anzahl intelligenter Breaks auf, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Songmaterial zieht. Früher nannte man diesen Stil übrigens US Metal, aber das muss auch schon wieder fast 20 Jahre her sein...
Sei’s drum, die von Produzenten-Urgestein Neil Kernon mit so einer Art druckvollem Old School-Sound perfekt vertonten 11 Tracks buhlen verdienter Maßen um eure Aufmerksamkeit. Ausfälle gibt es tatsächlich keine zu vermelden; lediglich vereinzelte Riffs bzw. Arrangements (die man schon fast mit der Lupe suchen muss) können das hohe Niveau nicht ganz halten, was dann letztendlich doch die Höchstnote kostet. Meine Faves wären die starke Uptempo-Nummer Bleed, das schleppende, jedoch wie alle anderen Stücke hart rockende Secrets und die klassischen Heavy Metal-Tracks Messed Up Son, Not Alone und The Sky Is Falling. Zum Schluss verschaffen ENERTIA uns mit Gun noch einen bärenstarken Abgang und mir die Erkenntnis, dass mir dieser Stil trotz aller in der Zwischenzeit stattgefundenen musikalischen Entwicklungen immer noch so viel Spaß macht wie früher! Sollte jeder im Schrank stehen haben, der sich als echter Metaller betrachtet...