Trends sind
so eine Sache: viele sind, meistens zum Glück, sehr kurzlebig,
andere wiederum sind selbst nach Jahrzehnten nicht totzukriegen,
obwohl sich das niemand wirklich erklären kann (oder will).
Es gibt aber auch zeitlose Dinge, die nie Trend waren, es nie
sein werden und trotzdem absolut essentiell sind.
In diese Rubrik lässt sich auch die Musik auf der ersten
offizielle CD des amerikanischen Quartetts ENERTIA
einordnen, denn auf Force findet ihr
arschgeilen METAL (!) der Extraklasse, mit viel Enthusiasmus
komponiert und dargeboten, mit reichlich guten Ideen bestückt
sowie definitiv und total gegen jeden Trend der letzten Jahre.
Vergesst unnützen True Metal oder ähnlichen Revival-Quatsch
der letzten Jahre; das hier ist wirklich Heavy Metal, so wie
er sein sollte: schweißtreibend, kraftvoll, handgemacht
und im besten Sinne unkommerziell.
Dabei lässt es sich zumindest für mich nicht verleugnen,
dass ENERTIA an der einen oder anderen Stelle
doch etwas an die ganz alten Armored Saint erinnern, wobei dies
natürlich eine erstklassige Referenz ist. Allerdings sind
die Songs auf Force stilistisch doch
breiter gefächert und die zuweilen genutzten moderneren
Einflüsse wurden sehr geschickt integriert. Die Stücke
sind technisch teilweise sehr anspruchsvoll (vor allem die Gitarrenarbeit),
jedoch driftet man nie in Prog-Gefilde ab, sondern bleibt immer
bei der klaren Power-Metal-Linie. Sänger Scott Featherstone
trägt seine Berufsbezeichnung übrigens zu Recht und
hat zudem für diese Art Musik die ideale Stimme: rau, sehr
kraftvoll, aber auch nicht zu hoch. Ansonsten fällt noch
die große Anzahl intelligenter Breaks auf, die sich wie
ein roter Faden durch das gesamte Songmaterial zieht. Früher
nannte man diesen Stil übrigens US Metal, aber das muss
auch schon wieder fast 20 Jahre her sein...
Sei’s drum, die von Produzenten-Urgestein Neil Kernon
mit so einer Art druckvollem Old School-Sound perfekt vertonten
11 Tracks buhlen verdienter Maßen um eure Aufmerksamkeit.
Ausfälle gibt es tatsächlich keine zu vermelden; lediglich
vereinzelte Riffs bzw. Arrangements (die man schon fast mit
der Lupe suchen muss) können das hohe Niveau nicht ganz
halten, was dann letztendlich doch die Höchstnote kostet.
Meine Faves wären die starke Uptempo-Nummer Bleed,
das schleppende, jedoch wie alle anderen Stücke hart rockende
Secrets und die klassischen Heavy Metal-Tracks Messed
Up Son, Not Alone und The Sky Is Falling. Zum
Schluss verschaffen ENERTIA uns mit Gun
noch einen bärenstarken Abgang und mir die Erkenntnis,
dass mir dieser Stil trotz aller in der Zwischenzeit stattgefundenen
musikalischen Entwicklungen immer noch so viel Spaß macht
wie früher! Sollte jeder im Schrank stehen haben, der sich
als echter Metaller betrachtet...