“Finland,
Finland, Finland. The country where I want to be,
Pony trekking or camping, Or just watching TV.
Finland, Finland, Finland, It's the country for me”, dichteten
Monty Python und vergaßen, das Finnland ein Land ist,
in dem, gemessen an der Bevölkerungsdichte, eine unglaubliche
Dichte an Bands besteht, die sich dem Spielen melancholischer
Weisen gewidmet haben. Das umfasst dunklen Metal zwischen Gothic
und Death, aber auch jene Spielart, die sich END OF YOU
auf die Fahnen geschrieben haben: elektronische Schwermut der
Depeche Mode Schule, gepaart mit dem hymnischen Gothpopmetal
der Marke HIM. Breite Keyboardflächen und hingetupfte Synthieattacken
stoßen auf Gitarrenwälle, die zwar mit einigem Schwung
aufgebaut werden, aber niemand wehtun. Doch die Melodien zünden
in den meisten Fällen, haben genügend Potenzial einerseits
die Füße zum sachten Mitwippen anzuregen und andererseits
das Taschentuch für’s feucht gewordene Äuglein
zu zücken. Das hat einen einnehmenden melancholischen Pop-Appeal,
der darüber hinwegsehen lässt, das sich END OF
YOU aus einem Fundus bedienen, der rund zwanzig Jahre auf
dem Buckel hat. Aber sie tun das mit sympathischer Vehemenz,
bringen vor allem die Songs auf den Punkt, anstatt in endlosen
Variationen auszuufern. Hilfreich ist Jami Pietilä, der
als Sänger weder eine jammervolle noch übertrieben
pathetische Vorstellung abgibt, sondern den Liedern eine feste
und selbstbewusste Stütze gibt. Das sich dabei Monotonie
einstellt, was in Kritiken zum ersten Album Unreal
öfters bemängelt wurde, lässt sich auf Mimesis
nicht feststellen. Im Gegenteil, hier schippert er als Steuermann
das Boot sicher durch die ein oder andere klischeebehaftete
Untiefe. Mittlere Ausfälle sind allerdings das Lied mit
dem humorigen Titel Number 8, das wie eine unausgegorene
Hommage an John Foxx wirkt, der Ultravox einstmals drei Alben
lang zu einer wichtigen Band machte, sowie die lahmarschige
Cover-Version des James Bond Titellieds Goldeneye. Hier
hätte die Band Großes leisten können, wenn sie
sich getraut hätte, die emotionale Sau einmal ohne Rücksicht
auf Verluste rauszulassen. Bleibt etwas mehr als eine halbe
Stunde lang gehobene Unterhaltung der altbackenen Art, die aber
ihre Meriten besitzt. Solange die Band ergreifende Tracks wie
Better God (Music For The Masses Revisted), Over And
Out (die Maschine die immer „Bing“ macht), Paper
Trails (wie fühlt es sich an unwirklich zu sein?) und
den atmosphärischen Klimax Driving Down The Void
hinbekommt, ist ein freundliches Probehören nicht verkehrt.
“You're so sadly neglected and often ignored
A poor second to Belgium when going abroad
Finland, Finland, Finland, The country where I quite want to
be
Your mountains so lofty, Your treetops so tall
Finland, Finland, Finland
Finland has it all”.