END OF YOU – Mimesis

 
Label: Spinefarm Records
Release: 06.06.2008
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 40:06
Stil: Electronic Gothic Rock
URL: End Of You
 
“Finland, Finland, Finland. The country where I want to be,
Pony trekking or camping, Or just watching TV.
Finland, Finland, Finland, It's the country for me”, dichteten Monty Python und vergaßen, das Finnland ein Land ist, in dem, gemessen an der Bevölkerungsdichte, eine unglaubliche Dichte an Bands besteht, die sich dem Spielen melancholischer Weisen gewidmet haben. Das umfasst dunklen Metal zwischen Gothic und Death, aber auch jene Spielart, die sich END OF YOU auf die Fahnen geschrieben haben: elektronische Schwermut der Depeche Mode Schule, gepaart mit dem hymnischen Gothpopmetal der Marke HIM. Breite Keyboardflächen und hingetupfte Synthieattacken stoßen auf Gitarrenwälle, die zwar mit einigem Schwung aufgebaut werden, aber niemand wehtun. Doch die Melodien zünden in den meisten Fällen, haben genügend Potenzial einerseits die Füße zum sachten Mitwippen anzuregen und andererseits das Taschentuch für’s feucht gewordene Äuglein zu zücken. Das hat einen einnehmenden melancholischen Pop-Appeal, der darüber hinwegsehen lässt, das sich END OF YOU aus einem Fundus bedienen, der rund zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Aber sie tun das mit sympathischer Vehemenz, bringen vor allem die Songs auf den Punkt, anstatt in endlosen Variationen auszuufern. Hilfreich ist Jami Pietilä, der als Sänger weder eine jammervolle noch übertrieben pathetische Vorstellung abgibt, sondern den Liedern eine feste und selbstbewusste Stütze gibt. Das sich dabei Monotonie einstellt, was in Kritiken zum ersten Album Unreal öfters bemängelt wurde, lässt sich auf Mimesis nicht feststellen. Im Gegenteil, hier schippert er als Steuermann das Boot sicher durch die ein oder andere klischeebehaftete Untiefe. Mittlere Ausfälle sind allerdings das Lied mit dem humorigen Titel Number 8, das wie eine unausgegorene Hommage an John Foxx wirkt, der Ultravox einstmals drei Alben lang zu einer wichtigen Band machte, sowie die lahmarschige Cover-Version des James Bond Titellieds Goldeneye. Hier hätte die Band Großes leisten können, wenn sie sich getraut hätte, die emotionale Sau einmal ohne Rücksicht auf Verluste rauszulassen. Bleibt etwas mehr als eine halbe Stunde lang gehobene Unterhaltung der altbackenen Art, die aber ihre Meriten besitzt. Solange die Band ergreifende Tracks wie Better God (Music For The Masses Revisted), Over And Out (die Maschine die immer „Bing“ macht), Paper Trails (wie fühlt es sich an unwirklich zu sein?) und den atmosphärischen Klimax Driving Down The Void hinbekommt, ist ein freundliches Probehören nicht verkehrt.
“You're so sadly neglected and often ignored
A poor second to Belgium when going abroad
Finland, Finland, Finland, The country where I quite want to be
Your mountains so lofty, Your treetops so tall
Finland, Finland, Finland
Finland has it all”.