Meine Güte, was für ein Abgang! Nach der bedauerlicherweise schon
länger bekannten Ankündigung, sich mit dem vorliegenden Longplayer
aufzulösen, haben es EMPEROR geschafft, mit Prometheus
ein Vermächtnis zu hinterlassen, welches der Konkurrenz auch
in einigen Jahren noch schwer im Magen liegen dürfte. Denn das,
was man hier zu hören bekommt, dürfte in dieser Perfektion nur
noch schwerlich zu übertreffen sein.
Wer jedenfalls
gedacht hat, IX Equilibrium wäre an Komplexität
(in diesem Tempo) nicht mehr zu überbieten, der wird nun seinen
Erfahrungshorizont derbe erweitern müssen. Aber wir haben
hier kein Stück entrückter Frickelmusik vor uns, sondern EMPEROR
haben es geschafft, die Songstrukturen trotz aller Vielschichtigkeit
wesentlich klarer und übersichtlicher zu gestalten als auf
dem Vorgänger, der doch manchmal etwas arg chaotisch klang.
So gibt es zwar ständig neue Melodien, Rhythmen und Emotionen
zu entdecken, aber man hat nie das Gefühl sich innerhalb der
Stücke zu verlaufen, sondern wird getragen aus einer einmaligen
Mischung aus Wut und Melancholie, ultraschnellen Passagen
und verträumten Intermezzos; quasi aus allen Facetten, die
moderner Black Metal zu bieten hat. Allerdings sollte man
auch nicht verhehlen, daß die transparente und trotzdem brutale
Produktion einen nicht zu unterschätzenden Anteil zu diesen
Qualitäten beiträgt.
Dabei
ist aber auch musikalisch erneut ein Riesenschritt nach vorne
festzustellen. Die Keyboards klingen so klassisch wie noch
nie und werden perfekt integriert, wobei man eine deutliche
Tendenz zu barock klingenden Stilistiken erkennen kann. Die
Gitarrenarbeit kann man nur mit dem Begriff genial umschreiben,
und einige Drum-Parts fallen definitiv in die Kategorie "unmenschlich",
vor allem im Bereich der Double Bass. Hätte mich wirklich
interessiert, wie man das live spielen wollte... Besonders
ist mir aber der Gesang aufgefallen, denn so vielschichtig
und selbstsicher hat Ihsahn noch nie geklungen, von gekonnt
mehrstimmig intonierten Passagen über tiefe Growls und finsterem
Gewisper bis hin zu fiesem Gekreische bekommt man hier einfach
alles geboten.
Und genauso
beginnt Prometheus dann auch, denn bereits beim
ersten Stück The Eruption gibt es die ganze Bandbreite
zu hören, die EMPEROR ausmacht. Rasende Geschwindigkeit
(die sich im weiteren Verlauf des Albums noch deutlich steigert),
emotionale Tiefe in allen Tempozonen, wunderbar auskomponierte
Midtempo-Teile und "Verschnaufpausen", interessante
Riffs und reichlich Abwechslung. Davon bietet auch das nächste
Stück Depraved eine ganze Menge, bevor mit Empty
der Video-Song zelebriert wird. Schätze aber nicht, daß wir
demnächst alle MTV gut finden werden. In The Wordless Chamber
war der erste Track, den ich von diesem Album gehört habe,
und dabei ist mir echt die Kinnlade runtergeklappt. Dieser
Effekt funktioniert immer noch, da die Kombination aus wütender
Raserei, einigen treibenden Viking-Elementen und dem klassisch
bombastisch-verträumten Mittelteil einfach unglaublich ist.
Danach wird es noch mal etwas experimenteller, bevor etwaig
aufkommende Sentimentalität sofort mit den beiden letzten
Stücken He Who Sought The Fire und Thorns On My
Grave zerstört wird, denn hier ist wieder Geschwindigkeit
Trumpf, wobei der letzte Track wohl der schnellste des gesamten
Albums ist. Eigentlich bin ich ja gar nicht so wild auf dieses
extreme Geholze, aber wenn es in dieser Form dargeboten wird...
Was soll
ich also noch sagen? Nach so einem Hochgenuss und der traurigen
Erkenntnis, damit das letzte EMPEROR Album in den Händen
zu halten, kann man die Sache nur mit einem lachenden und
einem weinenden Auge betrachten. Ein faszinierende CD, die
man auch nach dem x-ten Hören noch neu entdecken kann, geschaffen
von einer Band, die es leider nie wieder geben wird. Ob die
Szene begreift, welcher Verlust ihr da widerfährt?
Wie auch
immer, jedes Promille unter der Höchstnote wäre pure Ignoranz,
nicht nur gegenüber der kompositorischen und spieltechnischen
Leistung dieser Band, sondern auch der (extremen) Musik im
Allgemeinen!