EMPEROR Prometheus - The Discipline Of Fire & Demise

 
Label: Candlelight Records
Release: 2001
Von: Psycho
Punkte: 10+/10
Time: 51:44
Stil: Black Metal
URL: Emperor
 
Meine Güte, was für ein Abgang! Nach der bedauerlicherweise schon länger bekannten Ankündigung, sich mit dem vorliegenden Longplayer aufzulösen, haben es EMPEROR geschafft, mit Prometheus ein Vermächtnis zu hinterlassen, welches der Konkurrenz auch in einigen Jahren noch schwer im Magen liegen dürfte. Denn das, was man hier zu hören bekommt, dürfte in dieser Perfektion nur noch schwerlich zu übertreffen sein.

Wer jedenfalls gedacht hat, IX Equilibrium wäre an Komplexität (in diesem Tempo) nicht mehr zu überbieten, der wird nun seinen Erfahrungshorizont derbe erweitern müssen. Aber wir haben hier kein Stück entrückter Frickelmusik vor uns, sondern EMPEROR haben es geschafft, die Songstrukturen trotz aller Vielschichtigkeit wesentlich klarer und übersichtlicher zu gestalten als auf dem Vorgänger, der doch manchmal etwas arg chaotisch klang. So gibt es zwar ständig neue Melodien, Rhythmen und Emotionen zu entdecken, aber man hat nie das Gefühl sich innerhalb der Stücke zu verlaufen, sondern wird getragen aus einer einmaligen Mischung aus Wut und Melancholie, ultraschnellen Passagen und verträumten Intermezzos; quasi aus allen Facetten, die moderner Black Metal zu bieten hat. Allerdings sollte man auch nicht verhehlen, daß die transparente und trotzdem brutale Produktion einen nicht zu unterschätzenden Anteil zu diesen Qualitäten beiträgt.

Dabei ist aber auch musikalisch erneut ein Riesenschritt nach vorne festzustellen. Die Keyboards klingen so klassisch wie noch nie und werden perfekt integriert, wobei man eine deutliche Tendenz zu barock klingenden Stilistiken erkennen kann. Die Gitarrenarbeit kann man nur mit dem Begriff genial umschreiben, und einige Drum-Parts fallen definitiv in die Kategorie "unmenschlich", vor allem im Bereich der Double Bass. Hätte mich wirklich interessiert, wie man das live spielen wollte... Besonders ist mir aber der Gesang aufgefallen, denn so vielschichtig und selbstsicher hat Ihsahn noch nie geklungen, von gekonnt mehrstimmig intonierten Passagen über tiefe Growls und finsterem Gewisper bis hin zu fiesem Gekreische bekommt man hier einfach alles geboten.

Und genauso beginnt Prometheus dann auch, denn bereits beim ersten Stück The Eruption gibt es die ganze Bandbreite zu hören, die EMPEROR ausmacht. Rasende Geschwindigkeit (die sich im weiteren Verlauf des Albums noch deutlich steigert), emotionale Tiefe in allen Tempozonen, wunderbar auskomponierte Midtempo-Teile und "Verschnaufpausen", interessante Riffs und reichlich Abwechslung. Davon bietet auch das nächste Stück Depraved eine ganze Menge, bevor mit Empty der Video-Song zelebriert wird. Schätze aber nicht, daß wir demnächst alle MTV gut finden werden. In The Wordless Chamber war der erste Track, den ich von diesem Album gehört habe, und dabei ist mir echt die Kinnlade runtergeklappt. Dieser Effekt funktioniert immer noch, da die Kombination aus wütender Raserei, einigen treibenden Viking-Elementen und dem klassisch bombastisch-verträumten Mittelteil einfach unglaublich ist. Danach wird es noch mal etwas experimenteller, bevor etwaig aufkommende Sentimentalität sofort mit den beiden letzten Stücken He Who Sought The Fire und Thorns On My Grave zerstört wird, denn hier ist wieder Geschwindigkeit Trumpf, wobei der letzte Track wohl der schnellste des gesamten Albums ist. Eigentlich bin ich ja gar nicht so wild auf dieses extreme Geholze, aber wenn es in dieser Form dargeboten wird...

Was soll ich also noch sagen? Nach so einem Hochgenuss und der traurigen Erkenntnis, damit das letzte EMPEROR Album in den Händen zu halten, kann man die Sache nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Ein faszinierende CD, die man auch nach dem x-ten Hören noch neu entdecken kann, geschaffen von einer Band, die es leider nie wieder geben wird. Ob die Szene begreift, welcher Verlust ihr da widerfährt?

Wie auch immer, jedes Promille unter der Höchstnote wäre pure Ignoranz, nicht nur gegenüber der kompositorischen und spieltechnischen Leistung dieser Band, sondern auch der (extremen) Musik im Allgemeinen!