Normalerweise
bekomme ich aus Skandinavien eher jüngere Hörerschichten
begeisternde Gitarrenmusik à la HIM oder Lovex auf den
Tisch. Mit den Norwegern ELUSIVE und ihrem
dritten Album mit dem etwas klischeehaften, überlangen
und angesichts der Herkunft der Musiker etwas kuriosen Titel
Locked Doors, Drinks And Funerals – Songs
From The Desert wird das Rad der Zeit um zwei
Jahrzehnte zurückgedreht. Kommerziell anbiedernde Elemente
und modernen Schnickschnack sucht man vergeblich und das ist
auch gut so, denn Bandkopf und Gitarrist Tommy Olsson, Sänger
Jan K. Barkved und Kristian Gundersen an der zweiten Gitarre
frönen deutlich hörbar musikalischen Genreikonen des
klassischen Gothicrock wie The Mission, Fields Of The Nephilim
oder den Sisters Of Mercy. ELUSIVE's Trip in
die Wüste – stilecht mit Hüten auf dem Kopf
– orientiert sich stilistisch eng an den genannten Formationen
und lässt dabei nur in geringem Maße erfrischend
neue Elemente zu. Dafür macht die Truppe ihre Sache aber
mehr als ordentlich, denn schnell bleiben die meisten der elf
Songs überdurchschnittlich langer Spielzeit im Ohr hängen.
Man merkt, dass sich die Skandinavier bei ihren Albumveröffentlichungen
Zeit lassen, wirken die Tracks songwriterisch wohl durchdacht
und arrangiert. Nur selten geben die Songs Anlass zur Kritik.
Das über acht Minuten dauernde A Thin Line wirkt
arg und unnötig in die Länge gezogen, die Ballade
The Ghost Of You zu pathetisch kitschig. Schade auch,
dass flottere und gute Songs wie die Singleauskopplung Dream
On Sister erst an vorletzter Stelle platziert wurden.
Dennoch ist Locked Doors, Drinks And Funerals
eine runde Sache, die Anhängern des klassischen Gothic
Rock, sicherlich gefallen dürfte. So sollten die Norweger
mit ihrem neuen Album ihre Position im Genre weiter festigen
und ausbauen. Ein wegweisendes Album ist es aber nicht.