ELIVAGAR – Heirs Of The Ancient Tales

 
Label: Trollzorn
Release: 28.03.2008
Von: Joking
Punkte: 6/10
Time: 40:36
Stil: Folk Death Metal
URL: Elivagar
 
Skepsis ist angesagt, wenn im Bandinfo fett gedruckt gefordert wird, dass Heirs Of The Ancient Tales nur von Leuten rezensiert werden soll, die Eluveitie, Nydvind und Aes Dana kennen und deren Stil(e) schätzen. So wenig Zutrauen in die eigene Kunst, dass man unvoreingenommene Hörer ausschließen möchte? Ein wenig überzeugendes und lächerliches Gebaren.
Naja, ganz so schlimm kommt’s nicht, aber völlig überzeugen kann das vorliegende Album auch nicht.
Dabei geht die Musik durchaus in Ordnung. ELIVAGAR liefern eine wilde Mischung aus schnellem Geprügel und sanften Unterbrechungen, die den harten Gegenparts genau die richtige Würze verleihen. Leider kommt allzu oft die Tin Whistle zum Zug und das klingt, als hätte sich ein mäßig begabter Waldorfschüler mit seinem Lieblingsinstrument auf ein mittelalterliches Schlachtfeld verirrt. Als Zäsur mag die kleine Pfeife ja angehen, als tragendes Element stellt das Gefiepe eine ziemliche Zumutung dar. Zumal die restliche Mixtur aus elektrischen und akustischen Instrumenten recht stimmig und stimmungsvoll ausfällt.
Ein weiteres Handicap ist der vielförmige Gesang. Da wird gekreischt, gegrowlt und manchmal in Wohlklang geschwelgt, dass Abwechslung zuhauf herrscht. Doch so richtig positiv ist das nicht, denn die einzelnen Elemente stehen relativ konzeptionslos nebeneinander, bereits das zweite Stück Followers Of Ancient Tales haut dem Hörer seine bellenden Schlachtrufe um die Ohren, als ginge es zum jüngsten Gericht; obwohl der Song lediglich die Einleitung ist, mit der die wohlgesinnten Anhänger alter Geschichten eingeladen werden sollen. Wozu dann dieser Sound, der eher einem Rausschmiss gleicht?
Das ausufernde Beschreiben mittelalterlicher Tändeleien und vor allem wild wogenden Gemetzels ist inhaltlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss – das betrifft aber nicht explizit ELIVAGAR, sondern ein ganzes Genre, dass in der Heroisierung dunkler Stunden und Zeiten gerne zum Spielplatz rückständigen Gedankengutes wird – hier muss man ELIVAGAR sogar zu Gute halten, das es der Band nicht in erster Linie um heldenhaftes Kämpfen und Sterben in glorreichen Schlachten geht, sondern das derartiges Wirken sehr wohl kritisch hinterfragt wird. Besonders im gleichzeitig pathetischen wie sarkastischen Ruhm der Schlacht und dem bitteren Children’s Crusade, das sich den abstrusesten aller Kreuzzüge zum Thema gewählt hat und damit leider immer noch brandaktuell ist.
Während Growls und Gekreische stimmlich in Ordnung gehen, bleibt der klare Gesang erschreckend blass und hart an der Grenze zur Albernheit, hat aber eigentlich als Kontrapunkt zum wütenden Gebrüll seine Berechtigung; nur muss unbedingt daran gearbeitet werden.
Insgesamt bleibt Heirs Of The Ancient Tales also ein zwiespältiges Werk, das musikalisch streckenweise überzeugen kann, in der Feinarbeit aber massive Schwächen aufweist. Wir dürfen gespannt sein, ob die mit dem nächsten Album ausgebügelt werden. Dann dürfen bestimmt auch Rezensenten zur Arbeit schreiten, die der anmaßenden Rezensionsprämisse nicht entsprechen.