Skepsis
ist angesagt, wenn im Bandinfo fett gedruckt gefordert
wird, dass Heirs Of The Ancient Tales nur von
Leuten rezensiert werden soll, die Eluveitie, Nydvind und Aes
Dana kennen und deren Stil(e) schätzen. So wenig Zutrauen
in die eigene Kunst, dass man unvoreingenommene Hörer ausschließen
möchte? Ein wenig überzeugendes und lächerliches
Gebaren.
Naja, ganz so schlimm kommt’s nicht, aber völlig
überzeugen kann das vorliegende Album auch nicht.
Dabei geht die Musik durchaus in Ordnung. ELIVAGAR liefern
eine wilde Mischung aus schnellem Geprügel und sanften
Unterbrechungen, die den harten Gegenparts genau die richtige
Würze verleihen. Leider kommt allzu oft die Tin Whistle
zum Zug und das klingt, als hätte sich ein mäßig
begabter Waldorfschüler mit seinem Lieblingsinstrument
auf ein mittelalterliches Schlachtfeld verirrt. Als Zäsur
mag die kleine Pfeife ja angehen, als tragendes Element stellt
das Gefiepe eine ziemliche Zumutung dar. Zumal die restliche
Mixtur aus elektrischen und akustischen Instrumenten recht stimmig
und stimmungsvoll ausfällt.
Ein weiteres Handicap ist der vielförmige Gesang. Da wird
gekreischt, gegrowlt und manchmal in Wohlklang geschwelgt, dass
Abwechslung zuhauf herrscht. Doch so richtig positiv ist das
nicht, denn die einzelnen Elemente stehen relativ konzeptionslos
nebeneinander, bereits das zweite Stück Followers Of
Ancient Tales haut dem Hörer seine bellenden Schlachtrufe
um die Ohren, als ginge es zum jüngsten Gericht; obwohl
der Song lediglich die Einleitung ist, mit der die wohlgesinnten
Anhänger alter Geschichten eingeladen werden sollen. Wozu
dann dieser Sound, der eher einem Rausschmiss gleicht?
Das ausufernde Beschreiben mittelalterlicher Tändeleien
und vor allem wild wogenden Gemetzels ist inhaltlich auch nicht
der Weisheit letzter Schluss – das betrifft aber nicht
explizit ELIVAGAR, sondern ein ganzes Genre, dass in
der Heroisierung dunkler Stunden und Zeiten gerne zum Spielplatz
rückständigen Gedankengutes wird – hier muss
man ELIVAGAR sogar zu Gute halten, das es der Band nicht
in erster Linie um heldenhaftes Kämpfen und Sterben in
glorreichen Schlachten geht, sondern das derartiges Wirken sehr
wohl kritisch hinterfragt wird. Besonders im gleichzeitig pathetischen
wie sarkastischen Ruhm der Schlacht und dem bitteren
Children’s Crusade, das sich den abstrusesten aller
Kreuzzüge zum Thema gewählt hat und damit leider immer
noch brandaktuell ist.
Während Growls und Gekreische stimmlich in Ordnung gehen,
bleibt der klare Gesang erschreckend blass und hart an der Grenze
zur Albernheit, hat aber eigentlich als Kontrapunkt zum wütenden
Gebrüll seine Berechtigung; nur muss unbedingt daran gearbeitet
werden.
Insgesamt bleibt Heirs Of The Ancient Tales also
ein zwiespältiges Werk, das musikalisch streckenweise überzeugen
kann, in der Feinarbeit aber massive Schwächen aufweist.
Wir dürfen gespannt sein, ob die mit dem nächsten
Album ausgebügelt werden. Dann dürfen bestimmt auch
Rezensenten zur Arbeit schreiten, die der anmaßenden Rezensionsprämisse
nicht entsprechen.