EISHEILIG – Elysium

 
Label: Drakkar
Release: 26.05.2006
Von: Dusk
Punkte: 8/10
Time: 40:25
Stil: Dark Rock
URL: Eisheilig
 
Es grünt so grün... Elysium. Aber Frühlingsgefühle kommen hier nicht auf. Das Artwork ist sehr düster und bedrückend gestaltet, dennoch "traumhaft". Nein, nein, kein Alptraum. Kitschigen Fantasieszenen wird hier jedoch kein Platz zugestanden – deshalb wirken diese Bilder so erschreckend "nahe" und "möglich", obwohl sie surreal sind. Irgendwie erinnert mich das Artwork auch an tragische U-Boot-Filme...
Der Opener Sturm ist ein Song, den man sofort als EISHEILIG-Stück identifizieren würde, wüsste man nicht zuvor schon, dass es sich um ebendiese Band handelt: Die Melodieführung, der (Gitarren- und Keyboard-) Sound, das Songwriting, und natürlich die Stimme sind überzeugend und eindeutig EISHEILIG.
Obwohl es durchaus eine Änderung in der Stimme Dennis Mikus' gibt: sie klingt durch die Bank rauer, kantiger. Das entzückende Timbre bleibt dabei weiterhin erhalten. "Wo seid ihr? Seid ihr wach?" Sturm ist ein perfekter Einstieg ins Elysium.
Ein wenig Rammstein-Feeling hat sich auf dem neuen Album eingeschlichen (Flug der Möwen, König der Planeten, Märchenreich), was aber nicht weiter schlimm ist, denn EISHEILIG haben sich insgesamt glücklicherweise weiterhin an ihrer eigenen Linie orientiert. Es findet sich zwar keine wunderbar ausgefeilte Stimm-Windung a la Nebelreich (vom Album Die Gärten Des Herrn) auf Elysium, dafür häufiger rockige, nicht minder markante Stücke.
Auf Elysium hat man sich voll und ganz dem Thema Wasser verschrieben. Das zeigt nicht nur das Artwork, sondern auch die Lyrik (Fährmann, Flug der Möwen, König der Planeten...) Weiterhin ist eine gewisse (auch im weiteren Sinne) Religiosität großer Bestandteil der Texte, wobei - wie auch auf den Vorgängeralben - nur ein Stück ganz konkret von Himmel/Hölle handelt: Lucifer.
Elysium zieht den Zuhörer unweigerlich hinab in die eigene Psyche, zwingt einen mit vielen starken Metaphern, in sich selbst hinein zu hören, egal ob es sich um flottere oder elegischere Stücke handelt. Instrumente und Arrangements, sprich Musik und Sound färben die Lyrik jeweils stilgerecht ein und malen recht triste Bilder auf die innere Leinwand des Zuhörers, besonders Schrei schafft das erschreckend gut. Bedrückend elegante Traurigkeit, stimmlich perfekt intoniert, begleitet von mehr Moll-Akkorden, als eine zart besaitete Seele ertragen kann.
Zum Abschluss folgen ein paar Sekunden Morgenrot, sozusagen als Hoffnungsschimmer; oder auch um den Zuhörer behutsam aus der Elysium-Trance zu holen. Mit diesem Album sollten EISHEILIG einen größeren Schritt gesetzt haben.