Es
grünt so grün... Elysium.
Aber Frühlingsgefühle kommen hier nicht auf. Das Artwork
ist sehr düster und bedrückend gestaltet, dennoch
"traumhaft". Nein, nein, kein Alptraum. Kitschigen
Fantasieszenen wird hier jedoch kein Platz zugestanden –
deshalb wirken diese Bilder so erschreckend "nahe"
und "möglich", obwohl sie surreal sind. Irgendwie
erinnert mich das Artwork auch an tragische U-Boot-Filme...
Der Opener Sturm ist ein Song, den man sofort als EISHEILIG-Stück
identifizieren würde, wüsste man nicht zuvor schon,
dass es sich um ebendiese Band handelt: Die Melodieführung,
der (Gitarren- und Keyboard-) Sound, das Songwriting, und natürlich
die Stimme sind überzeugend und eindeutig EISHEILIG.
Obwohl es durchaus eine Änderung in der Stimme Dennis Mikus'
gibt: sie klingt durch die Bank rauer, kantiger. Das entzückende
Timbre bleibt dabei weiterhin erhalten. "Wo seid ihr? Seid
ihr wach?" Sturm ist ein perfekter Einstieg ins
Elysium.
Ein wenig Rammstein-Feeling hat sich auf dem neuen Album eingeschlichen
(Flug der Möwen, König der Planeten, Märchenreich),
was aber nicht weiter schlimm ist, denn EISHEILIG
haben sich insgesamt glücklicherweise weiterhin an ihrer
eigenen Linie orientiert. Es findet sich zwar keine wunderbar
ausgefeilte Stimm-Windung a la Nebelreich (vom Album
Die Gärten Des Herrn) auf Elysium,
dafür häufiger rockige, nicht minder markante Stücke.
Auf Elysium hat man sich voll und
ganz dem Thema Wasser verschrieben. Das zeigt nicht nur das
Artwork, sondern auch die Lyrik (Fährmann, Flug der
Möwen, König der Planeten...) Weiterhin ist eine
gewisse (auch im weiteren Sinne) Religiosität großer
Bestandteil der Texte, wobei - wie auch auf den Vorgängeralben
- nur ein Stück ganz konkret von Himmel/Hölle handelt:
Lucifer.
Elysium zieht den Zuhörer unweigerlich
hinab in die eigene Psyche, zwingt einen mit vielen starken
Metaphern, in sich selbst hinein zu hören, egal ob es sich
um flottere oder elegischere Stücke handelt. Instrumente
und Arrangements, sprich Musik und Sound färben die Lyrik
jeweils stilgerecht ein und malen recht triste Bilder auf die
innere Leinwand des Zuhörers, besonders Schrei
schafft das erschreckend gut. Bedrückend elegante Traurigkeit,
stimmlich perfekt intoniert, begleitet von mehr Moll-Akkorden,
als eine zart besaitete Seele ertragen kann.
Zum Abschluss folgen ein paar Sekunden Morgenrot, sozusagen
als Hoffnungsschimmer; oder auch um den Zuhörer behutsam
aus der Elysium-Trance zu holen. Mit
diesem Album sollten EISHEILIG einen größeren
Schritt gesetzt haben.