Interessant
lesen sich die Vorinformationen über dieses neue Projekt
von zwei EISREGEN Musikern (M.Roth und Bursche
Lenz), denn überraschenderweise übernimmt THIRDMOON-Gitarrist/Sänger
Wolfgang Rothbauer die Position des Sechsseitenakrobaten. Immer
wenn die Tracks nach seiner Hauptband klingen, sind EISBLUT
auch am besten, wie etwa im ersten Track Wenn Der König
Stirbt oder dem Titelsong Schlachtwerk - der Text
ist allerdings nicht besonders empfehlenswert, wenn man vorhat,
etwas zu essen!
Ich habe das Gefühl, dass Wolf hier seine extreme Seite
ausleben will, alle Riffs, die für die österreichische
Ausnahmeband unpassend wären, finden hier gekonnt Verwendung.
Insgesamt ist Schlachtwerk sehr abwechslungsreich
ausgefallen, blitzschnelle, nach vorne loslegende, zuweilen
fast chaotische Songs geben balladenartigen, dadurch umso kranker
wirkenden Liedern die Klinke in die Hand – krass etwa
der letzte Teil von Sag: Ich Will Sterben
mit chorartigen Gesängen, lieblicher Melodie und krassem
Text. Das ist eindeutig das Rezept der schrägen Musiker:
teils grindige, teils langsame Lieder mit ansprechender Instrumentierung.
Der Vokalist setzt seine Stimme auch oft klar ein, was mich
nicht ganz überzeugen kann, ist sie doch nicht voluminös
genug. Sein Gekrächze dürfte von den EISREGEN-CD’s
schon wohlbekannt sein. Die Texte sind wie gewohnt sarkastisch
und überschreiten schon mal die Grenze des guten Geschmacks
(neben der Spur ist z.B. der Text von Silbersarg) oder
sind bloß stumpfe Provokation. Titel wie Menschenfleischwolf
(mit swingendem Rhythmus…) oder Wiegenlied Vom Totschlag
erklären sich eigentlich eh von selbst. Letzteres wird
von einer Kinderleidmelodie und nettem Gesang eingeleitet, doch
der Text schlägt schnell in ein grausiges Szenario um und
die Musik passt sich dieser Stimmung an und nimmt an Tempo zu.
Auffallend auch hier die gute Gitarrenarbeit, was allerdings
kein Wunder ist. Der Linzer Saitenhexer zaubert vor allem in
Gespenst In Den Trümmern feine Leads und lässt
diesen Track herausragen. Total abgedreht kommt das kurze Zwischenspiel,
das nur mit einem einfachen „?“ betitelt
ist, mit einer Stimme gesegnet, die direkt aus dem Irrenhaus
zu kommen scheint. Am Glockenseil wiederum kommt recht
modern daher, also kann ich mich über mangelnde Abwechslung
nicht beklagen, da tut sich so einiges während der fast
40 Minuten. Witzig finde ich auch das Napalm Death mäßige
Outro Altersheim.
Das Cover spiegelt den akustischen Inhalt perfekt wieder, wirkt
es doch einfach, kalt und doch einprägsam. Musikalisch
ist das Schlachtwerk durchaus interessant
und sieht man die Texte mit der nötigen Portion schwarzen
Humors, bietet diese Platte gute, wenn auch kranke Unterhaltung
mit etwas schwachem Gesang im klaren Bereich, was durch die
überdurchschnittliche Gitarrenarbeit allerdings wieder
wettgemacht wird.