EISBLUT – Schlachtwerk

 
Label: Massacre Records
Release: 29.08.2005
Von: Stormlord
Punkte: 7,5/10
Time: 39:01
Stil: Death/Grind
URL: Eisblut
 

Interessant lesen sich die Vorinformationen über dieses neue Projekt von zwei EISREGEN Musikern (M.Roth und Bursche Lenz), denn überraschenderweise übernimmt THIRDMOON-Gitarrist/Sänger Wolfgang Rothbauer die Position des Sechsseitenakrobaten. Immer wenn die Tracks nach seiner Hauptband klingen, sind EISBLUT auch am besten, wie etwa im ersten Track Wenn Der König Stirbt oder dem Titelsong Schlachtwerk - der Text ist allerdings nicht besonders empfehlenswert, wenn man vorhat, etwas zu essen!
Ich habe das Gefühl, dass Wolf hier seine extreme Seite ausleben will, alle Riffs, die für die österreichische Ausnahmeband unpassend wären, finden hier gekonnt Verwendung. Insgesamt ist Schlachtwerk sehr abwechslungsreich ausgefallen, blitzschnelle, nach vorne loslegende, zuweilen fast chaotische Songs geben balladenartigen, dadurch umso kranker wirkenden Liedern die Klinke in die Hand – krass etwa der letzte Teil von Sag: Ich Will Sterben mit chorartigen Gesängen, lieblicher Melodie und krassem Text. Das ist eindeutig das Rezept der schrägen Musiker: teils grindige, teils langsame Lieder mit ansprechender Instrumentierung. Der Vokalist setzt seine Stimme auch oft klar ein, was mich nicht ganz überzeugen kann, ist sie doch nicht voluminös genug. Sein Gekrächze dürfte von den EISREGEN-CD’s schon wohlbekannt sein. Die Texte sind wie gewohnt sarkastisch und überschreiten schon mal die Grenze des guten Geschmacks (neben der Spur ist z.B. der Text von Silbersarg) oder sind bloß stumpfe Provokation. Titel wie Menschenfleischwolf (mit swingendem Rhythmus…) oder Wiegenlied Vom Totschlag erklären sich eigentlich eh von selbst. Letzteres wird von einer Kinderleidmelodie und nettem Gesang eingeleitet, doch der Text schlägt schnell in ein grausiges Szenario um und die Musik passt sich dieser Stimmung an und nimmt an Tempo zu. Auffallend auch hier die gute Gitarrenarbeit, was allerdings kein Wunder ist. Der Linzer Saitenhexer zaubert vor allem in Gespenst In Den Trümmern feine Leads und lässt diesen Track herausragen. Total abgedreht kommt das kurze Zwischenspiel, das nur mit einem einfachen „?“ betitelt ist, mit einer Stimme gesegnet, die direkt aus dem Irrenhaus zu kommen scheint. Am Glockenseil wiederum kommt recht modern daher, also kann ich mich über mangelnde Abwechslung nicht beklagen, da tut sich so einiges während der fast 40 Minuten. Witzig finde ich auch das Napalm Death mäßige Outro Altersheim.
Das Cover spiegelt den akustischen Inhalt perfekt wieder, wirkt es doch einfach, kalt und doch einprägsam. Musikalisch ist das Schlachtwerk durchaus interessant und sieht man die Texte mit der nötigen Portion schwarzen Humors, bietet diese Platte gute, wenn auch kranke Unterhaltung mit etwas schwachem Gesang im klaren Bereich, was durch die überdurchschnittliche Gitarrenarbeit allerdings wieder wettgemacht wird.