Und
wieder einmal flattert mir die CD einer Band ins Haus, bei der
ich mir denke: Warum habe ich von denen noch nichts gehört?
– Hm, womöglich, weil man bei EDGE OF THORNS
zunächst an das großartige Savatage-Album denkt?
Das ist ja auch nicht ganz so falsch, schließlich klingen
die Vocals von Sänger Dirk „Duke“ Schmitt manchmal
sehr nach Jon Oliva, doch ich fühle mich auch stark an
Chris Boltendahl (Grave Digger) erinnert. Die musikalische Einordnung
ist mit Power Metal eigentlich viel zu eng gefasst und liegt
wohl wirklich irgendwo zwischen den gerade erwähnten Bands.
Mit Masquerading
Of The Wicked legen die fünf Jungs aus
Bitburg nun ihr zweites Album vor. Wie man liest, konnte schon
das Debüt Ravenland von 2004
überzeugen und diese Scheibe lässt hoffen, dass
da auch in Zukunft noch einiges drin ist.
Musikalisch ausgefeilt und druckvoll kommen die zwölf
Songs daher. Jeder hat seinen eigenen Charakter, nicht nur
durch den vielseitigen Einsatz der Vocals und den dezenten
Einsatz epischer Elemente, besonders die Gitarrenarbeit von
Dave Brixius muss lobend erwähnt werden. Auch dass sich
Piet Sielck (Iron Saviour) und Bernd Aufermann (Running Wild,
Angel Dust) als Gastmusiker beteiligten, spricht für
sich. Trotz der großen Spielfreude der Band gibt es
viele Mitsing-Refrains, was einen Live-Auftritt von EDGE
OF THORNS wohl zu einem ganz besonderen Erlebnis
machen dürfte.
Mir fällt es schwer, einen Anspieltipp zu geben, denn
das Album bewegt sich durch alle Songs hinweg auf einem ähnlichen
qualitativen Level. Nur den einen oder anderen Song zu erwähnen,
würde dem Album nicht gerecht werden. Allerdings fällt
der zwölfte Song, Life, doch sehr aus dem Rahmen:
er ist sehr kurz, sehr sanft und damit ein ganz ungewöhnlicher
Abschluss für ein sonst teilweise recht hartes Album.
Na, und da ich schon mal dabei bin, Vagrant ist ein
klasse Song – und Hungry Eyes gefällt
mir persönlich sehr.
Alles in allem
ist Masquerading Of The Wicked ein
kleiner Leckerbissen in der nicht wirklich geschmacklosen
deutschen Metal-Landschaft dafür sorgen könnte,
dass diese weiterhin in einer breiten Ausprägung bestehen
bleibt. Angenehm fiel mir auf, dass EDGE OF THORNS
sich nicht das momentan recht angesagte Etikett Progressive
Metal aufdrückten, obwohl sie das, gerade was dieses
Album angeht, sicherlich gekonnt hätten, denn die progressiven
Elemente sind nicht zu überhören. Ja, nun darf man
auch wieder leicht an Savatage denken – aber vergesst
nicht, EDGE OF THORNS machen trotz Parallelen
und Verwandtschaften ihre ganz eigene Musik.
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