Selbst
wenn man gut informiert ist, fallen einem beim Begriffpaar „Estland
und Musik“ vermutlich höchstens Arvo Pärt und
Neeme Järvi ein, vielleicht noch die Susis für einen
Sommer Vanilla Ninja. Und jetzt das: Ein Demoalbum, vier Stücke
von knapp einer halben Stunde Länge, eingespielt von einer
Band namens ECHOSILENCE, die höchst ungewöhnliche
Musik servieren: eine Mischung aus flächigen Ambient Sounds,
dezent metallischen Gitarren und eine Menge Lounge Jazz, der
schon mal im Verbund mit den harten Gitarrensounds bis in gehobene
Midtempobereiche enteilt. Dazu gesellt sich Sängerin Kadris
nicht sonderlich variationsreicher, aber stimmungsvoller Feengesang.
So seltsam diese Mischung anmuten mag, sie funktioniert prächtig.
Die einzelnen Stile stehen nicht beziehungslos nebeneinander,
sondern gehen ineinander über, überlagern sich auch
schon einmal, behalten aber selbst in den härteren Passagen
einen entspannten Grundton bei. Herausragendes Beispiel ist
das fast zehnminütige Titelstück, das auch noch einen
Touch Gothic mit Siouxsie & The Banshees und The Cure Reminiszenzen
zu bieten hat. Leicht nervöse, aber nicht nervende Frickelei
gibt es eigentlich nur im letzten Stück Human Animal,
das zudem mit Stimmverzerrer und jazziger Phrasierung beim Gesang
aufwartet und immer wieder eine Auszeit in spacigen Gefilden
nimmt (da werden sogar Erinnerungen an die kommerzielleren Momente
der frühen Gong wach) – die Musik fließt.
Insgesamt eine sehr überzeugende Kostprobe, die Appetit
auf mehr macht. Doch da liegt der Hund begraben: Distorted
Horizon ist bislang die einzige Veröffentlichung
der Band und stammt zudem aus dem Jahr 2005. ECHOSILENCE
Myspace-Seite ruht seit Anfang 2006, auch die Homepage macht
nicht den gepflegtesten Eindruck. Wir geben natürlich die
Hoffnung nicht auf, können uns aber im Moment nur an dieser
recht kurzen, eigenwilligen Exkursion in Zeit, Raum und Hard
Rock Café erfreuen.