Dass
in der Instrumentierung Kontrabass, Cello, den erwähnten
Klarinetten und Schlagzeug mehr verborgen liegt als Hausmusik,
wissen COPPELIUS schon lange. Die intelligente
Polyphonie der Arrangements kann sich selbstbewusst mit Deep
Purples Harvest messen. Exzessive Lust am Spielen und eine kluge
Inszenierung des eigenen Auftritts bauten um COPPELIUS
eine Atmosphäre, wie sie Berlin nur in den zwanziger Jahren
kannte. Die distanzierte Verführung ihrer Performance wirkt
nachhaltig. Auch in den Pausen wackeln die Mädchen. Glamour,
Sex und schöne, geheimnisvolle Männer, von denen man
nicht mehr weiß, als dass sie ihre Instrumente beherrschen...
Und dies stellen sie einmal mehr unter Beweis! Ein gutes Jahr
nach ihrem ersten Demo, welches schon für Begeisterung
sorgte, legen die altehrwürdigen Herren aus Berlin nach.
Mit 1803 – dem Jahr ihres ersten
Auftrittes anlässlich der Feierlichkeiten zur Entdeckung
des Morphiums – präsentieren COPPELIUS
vier neue Arrangements. Musikalisch verfolgt man weiterhin altbekannte
Pfade, vermag aber diesmal deutlicher, sich von vermeintlichen
Referenzbands abzugrenzen. COPPELIUS stehen
für sich, unvergleichbar und weit über dem Sumpf des
Alltäglichen. Dennoch schleichen sich hier und da zumindest
an bekannte Melodien erinnernde Fragmente ein. So klingt der
Refrain zu Be Prepared sehr nach Californication von
den Red Hot Chili Peppers und das Klarinettenspiel in Abendstimmung
nach Subway To Sally. Eröffnungssong I Get Used To
It startet zunächst recht flott, mündet nach
interessanten Breaks in ein ruhiges Mittelstück, um dann
anschließend von wilden Klarinettensolos begleitet wieder
loszurocken. Wesentlich extremer geht man da bei Be Prepared
zu Werke, den Songtitel beinahe wörtlich nehmend, denn
nach halsbrecherischen Breaks findet man sich in einem instrumentalen
Teil wieder, der zwar immer noch zum Song gehört, aber
völlig anders klingt. Der musikalisch rote Faden wird aber
wieder aufgenommen, um Be Prepared würdig abzuschließen.
Abendstimmung ist das einzige Lied, das in deutsch
gesungen wird und so einen noch intensiveren Eindruck vermittelt.
Es ist aber lange nicht so romantisch, wie der Titel vielleicht
implizieren mag ;) Bei Dreaming wird noch einmal kräftig
gerockt.
Insgesamt ist 1803 eine sehr abwechslungsreiche
Angelegenheit, man weiß nie, was als nächstes kommt,
wird immer wieder überrascht. Die Musik ist anders, unerwartet,
erfrischend, es ist eine Freude ihr zu lauschen!