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Das Jahr 2002
scheint das der verschollen geglaubten Legenden zu sein. Nachdem
ja schon Stoa völlig unverhofft aus der Versenkung aufgetaucht
sind, fiel mir neulich im Saturn meines Vertrauens eine neue COLLECTION
D'ARNELL-ANDRÉA in die Hände. Wer hätte das gedacht? Diese
französische Band hatte sich Anfang bis Mitte der 90er mit ihrem
absolut klischeefreien und einem hohen Klassikanteil vesehenen
Wave-/Gothic-Stil ein hohes Maß an Beliebtheit erarbeitet, wenn
auch nur bei wenigen Szenekennern, denn die schlechte Vertriebslage
und der traditionell schwere Stand nicht-englischsprachiger Interpreten
standen einem größeren Bekanntheitsgrad mehr als im Weg.
Kein Wunder
also, dass Tristesse des Mânes nach über sieben
Jahren völlig überraschend kommt. Dabei verzichten die sechs Damen
und Herren diesmal komplett auf wavige Töne, sondern servieren
uns statt dessen ein pures Neoklassik-Album par Excellence. Die
Hauptmerkmale sind jedoch immer noch die selben wie in den vergangenen
Zeiten: die wunderschönen, bis in kleinste Detail ausgearbeiteten
und von feiner Melancholie getragene Melodien werden von hervorragenden
Musikern dargeboten und bilden die Grundlage für den einmaligen
Gesang von Chloé St. Liphard, die mit ihrer klassisch ausgebildeten
Stimme sämtlichen emotionalen Nuancen der einzelnen Stücke auf
einmalige Weise ein mystisches Leben einhaucht.
So ist ein sehr ruhiges, atmosphärisches Album entstanden, welches
wie dafür geschaffen zu sein scheint, verregnete Nachmittage und
Abende in Gedanken versunken oder mit einem guten Buch auf der
Couch zu verbringen. Musikalisch bewegt man sich eher im Bereich
der Kammermusik, mit Piano und wenigen Streichern, trotzdem fehlt
den einzelnen Stücken nichts, sondern gerade ihre bedächtige,
fast vorsichtig komponierte Art erzeugt im Zusammenspiel mit dem
Gesang immer wieder eine Gänsehaut beim Hörer.
Bereits das erste Stück Aux glycines défuntes vermag einen
in dieser Form gefangen zu nehmen und in eine Stimmung zu versetzen,
die bis zum 14. und letzten Stück anhält. Wer die alten Veröffentlichungen
kennt, wird einige Stücke wiedererkennen, z.B. Kergal,
Les temples éleves oder Aux cordes éternelles, die
hier in überarbeiteten Versionen vorliegen. Vor allem beeindruckend,
wie sich Chloés gesangliche Fähigkeiten weiter entwickelt haben,
aber auch in kompositorischer Hinsicht hat die Pause nicht geschadet,
was musikalische Perlen wie L'ombre tilleul oder Un
parc, une tonnelle ohne jeden Zweifel belegen.
Wer einfach
nur wunderschöne, ruhige Musik zu schätzen weiß und sich nicht
scheut, dies auch in der Öffentlichkeit zuzugeben, der kann mit
Tristesse des Mânes nichts falsch machen. Denn diese CD gehört
zu den Alben, die für die Ewigkeit geschrieben wurden...
Collection
D'Arnell-Andréa
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