COLLECTION D'ARNELL-ANDRÉA - Tristesse des Mânes
Label: Prikosnovénie
Release: 02.04.2002
Von: Psycho
Punkte: 10
 

Das Jahr 2002 scheint das der verschollen geglaubten Legenden zu sein. Nachdem ja schon Stoa völlig unverhofft aus der Versenkung aufgetaucht sind, fiel mir neulich im Saturn meines Vertrauens eine neue COLLECTION D'ARNELL-ANDRÉA in die Hände. Wer hätte das gedacht? Diese französische Band hatte sich Anfang bis Mitte der 90er mit ihrem absolut klischeefreien und einem hohen Klassikanteil vesehenen Wave-/Gothic-Stil ein hohes Maß an Beliebtheit erarbeitet, wenn auch nur bei wenigen Szenekennern, denn die schlechte Vertriebslage und der traditionell schwere Stand nicht-englischsprachiger Interpreten standen einem größeren Bekanntheitsgrad mehr als im Weg.

Kein Wunder also, dass Tristesse des Mânes nach über sieben Jahren völlig überraschend kommt. Dabei verzichten die sechs Damen und Herren diesmal komplett auf wavige Töne, sondern servieren uns statt dessen ein pures Neoklassik-Album par Excellence. Die Hauptmerkmale sind jedoch immer noch die selben wie in den vergangenen Zeiten: die wunderschönen, bis in kleinste Detail ausgearbeiteten und von feiner Melancholie getragene Melodien werden von hervorragenden Musikern dargeboten und bilden die Grundlage für den einmaligen Gesang von Chloé St. Liphard, die mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme sämtlichen emotionalen Nuancen der einzelnen Stücke auf einmalige Weise ein mystisches Leben einhaucht.
So ist ein sehr ruhiges, atmosphärisches Album entstanden, welches wie dafür geschaffen zu sein scheint, verregnete Nachmittage und Abende in Gedanken versunken oder mit einem guten Buch auf der Couch zu verbringen. Musikalisch bewegt man sich eher im Bereich der Kammermusik, mit Piano und wenigen Streichern, trotzdem fehlt den einzelnen Stücken nichts, sondern gerade ihre bedächtige, fast vorsichtig komponierte Art erzeugt im Zusammenspiel mit dem Gesang immer wieder eine Gänsehaut beim Hörer.
Bereits das erste Stück Aux glycines défuntes vermag einen in dieser Form gefangen zu nehmen und in eine Stimmung zu versetzen, die bis zum 14. und letzten Stück anhält. Wer die alten Veröffentlichungen kennt, wird einige Stücke wiedererkennen, z.B. Kergal, Les temples éleves oder Aux cordes éternelles, die hier in überarbeiteten Versionen vorliegen. Vor allem beeindruckend, wie sich Chloés gesangliche Fähigkeiten weiter entwickelt haben, aber auch in kompositorischer Hinsicht hat die Pause nicht geschadet, was musikalische Perlen wie L'ombre tilleul oder Un parc, une tonnelle ohne jeden Zweifel belegen.

Wer einfach nur wunderschöne, ruhige Musik zu schätzen weiß und sich nicht scheut, dies auch in der Öffentlichkeit zuzugeben, der kann mit Tristesse des Mânes nichts falsch machen. Denn diese CD gehört zu den Alben, die für die Ewigkeit geschrieben wurden...

Collection D'Arnell-Andréa