Ich
gebe es zu: im Vorfeld bin ich davon ausgegangen, dass der achte
reguläre Longplayer der Briten ein bestenfalls durchschnittliches
Werk sein würde. Zu vorhersehbar war auf den letzten Alben
die musikalische Entwicklung der Band, die sich zudem immer
weiter von den BM-Wurzeln entfernte. Und es gab eigentlich auch
diesmal keinen Grund, etwas anderes zu erwarten, als eine CD
mit 2-3 annehmbaren Tracks und einem belanglosen Rest…
Tja, und so kann man sich täuschen! Godspeed On The
Devil's Thunder ist doch tatsächlich ein richtig
gutes Album geworden, definitiv das Beste seit Midian,
vielleicht sogar seit Cruelty And The Beast. Ob
es daran liegt, dass man sich diesmal nicht dem üblichen
Klischee-Horror widmet, sondern ein textliches Konzept um Gilles
de Rais verfolgt, oder aber die Lust auf harten Stoff neu entdeckt
hat, kann ich zwar nicht sagen, aber das Ergebnis spricht für
sich.
Diesmal gibt es richtig satt mehr von allem: mehr bombastisch-opulente
Chor- und Orgelpassagen (die diesmal wirklich für Atmosphäre
sorgen), mehr interessante Riffs, mehr dieser sich wahnsinnig
auftürmenden Melodiefolgen, mehr Growls, mehr Blast-Beats.
Und eine Produktion, die definitiv zu den besten aus dem Hause
CRADLE OF FILTH gehören dürfte und somit das
richtige Gewand für Godspeed On The Devil's Thunder
darstellt.
In der Tat ist es vor allem der stark angestiegene Härtegrad,
der für Erstaunen sorgt. Mit The Death Of Love findet
sich gerade mal ein Stück im sehr gothic-lastigen Stil
der letzten Alben, ansonsten geht es deutlich ruppiger zur Sache!
Nachzuhören bereits z.B. beim Opener Shat Out Of Hell
oder Sweetest Maleficia. Gleichzeitig zeigen CRADLE
OF FILTH aber auch ein Händchen für eingängige
Refrains (The 13th Caesar) und einfach perfekt komponierte
Tracks (Honey And Sulphur).
Wer allerdings etwas wirklich Neues erwartet, liegt hier natürlich
falsch: die Rückbesinnung zu alter Stärke ist klar
verbunden mit der Rückbesinnung auf alte kompositorische
Stärke und Stilmittel; CRADLE OF FILTH klingen auf
einmal wieder wie die Band, die sie vor ca. 10 Jahren einmal
waren. Lediglich dieser Schritt überrascht also, aber wenn
sich dieser Effekt auflöst, bleibt folglich ein zwar sehr
gutes Album, wirkliche Innovationen sind jedoch Fehlanzeige.
Ich denke aber, dass die meisten Fans mit diesem "Manko"
gut werden leben können. 8 Punkte: