Hardcore,
war, ist und wird wohl nie mein Fall sein - die Regel bestätigende
Ausnahmen wie Warpath sind meist am metallischen Rand des Genres
angesiedelt und taugen primär zur Agressionsbewältigung.
So dachte ich zumindest bisher, aber CLOSER THAN KIN haben
eindrucksvoll bewiesen, daß ich meine Sicht zumindest partiell
überdenken sollte. Es sind nämlich nicht nur die zuweilen
an Schweden-Death neuerer Prägung erinnernden Riffs, die
mich bei dieser Scheibe fesseln - was eigentlich beeindruckt,
ist die überbordende Emotionalität, die hier in jeder
Sekunde ohne wenn und aber offengelegt wird. Vor allem Sänger
Nick kehrt seinen offensichtlich reichlich vorhandenen Schmerz
sowohl in seinen direkten, aber anspruchsvollen Texten als auch
in seiner Stimme brutal nach außen, macht sich dadurch verletzlich,
erzeugt zugleich aber auch einzigartige Intensität, die von
der Musik optimal getragen wird - neben enorm agressiven Parts
tauchen immer wieder ruhigere, teilweise sogar auf Akustikgitarren
oder Keyboards basierende Momente auf, wodurch auch für Abwechslung
gesorgt ist. Erwähnenswert sind weiters auch die reichlich
verwendeten cleanen Gesangsparts, die vielleicht entfernt an Life
Of Agony erinnern und die Spannung zwischen Wut und Zerbrechlichkeit
weiter erhöhen. Daß meine Bewertung letztenendes nicht
höher ausfällt liegt einzig und allein daran, daß
die Songs allesamt doch recht ähnlich aufgebaut sind und
die Intensität gegen Ende der über 40 Minuten doch etwas
nachläßt - für einzelne Tracks wie z.B. das überragende
3 Words, 3.000 Tears würde ich aber ohne Bedenken
die Höchstnote vergeben.
Zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß die CD ein
simples, aber gutes Video zu Dead Flowers For A Dying Lover
enthält und von mir beim Today Is The Day-Gig für ganze
5€ erstanden wurde; Shirts waren zum selben Preis erhältlich,
der Kapuzenpulli kostete 10€ - sowas nennt man wohl Idealismus...
Closer
Than Kin
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