Au weh,
was hab ich mir da wieder eingebrockt... nach Fates Warning
ist dies nun schon die zweite Scheibe aus dem Hause Massacre,
die es mir nicht gerade leicht macht - und das, obwohl sie alles
andere als schlecht ist... aber schön der Reihe nach: CHROMA
KEY ist, wie inzwischen bereits bekannt sein sollte,
das Soloprojekt von Ex - Dream Theater - Keyboarder Kevin Moore,
und wer nun nur aufgrund dieser Referenz losstürmt und einen
Blindkauf tätigt, wird sein blaues Wunder erleben, denn mit
progmetallischem Bombast hat You Go Now
rein gar nix am Hut. Was stattdessen an des Käufers Ohr dringt,
erinnert zumindest mich gelegentlich stark an neuere Massive
Attack, verarbeitet aber auch des öfteren 70's - Artrock - Einflüsse
und wird von Moores Peter Gabriel - lastiger Stimme begleitet.
Ziemlich softe Angelegenheit also, die nur hin und wieder leicht
an Härte zulegt, mit Metal absolut nix zu tun hat und in erster
Linie von ihrer sphärischen Grundstimmung lebt, was auf Dauer
ziemlich seicht und ermüdend wirkt - so zumindest mein erster,
zweiter und dritter Eindruck... der sich allerdings nach einigen
Wochen Dauertest doch entscheidend verändert hat. Klar, besonders
spektakulär oder einprägsam sind die Songs auf You
Go Now nicht. Bei intensiverem Hinhören offenbart
sich hinter den unscheinbaren Arrangements aber eine erstaunliche
emotionale Tiefe, die den Hörer, sofern er sich in der richtigen
Stimmung befindet, durchaus mitreißen kann - kein bahnbrechendes
Werk also, aber doch ein beseeltes Stück Musik, das seine Qualitäten
wie gesagt nur dann richtig entfalten kann, wenn man ihm genug
Zeit gibt.