Prinzipiell
mag ich ja Musik ohne Genre-Zugehörigkeit, völlige
Verweigerung von Songwriting-Strukuturen oder extreme Introvertiertheit.
Radiohead, Massive Attack oder Ulver’s Perdition City
sind Beispiele für völlig unkommerzielle Musik, die
trotzdem oder gerade deswegen seine Anhänger findet. CHROMA
KEY schlagen da eine ähnliche Richtung ein.
Das Projekt des ehemaligen Dream Theater-Keyboarders Kevin Moore
geht aber vielleicht sogar noch ein Stück weiter. Denn
Graveyard Mountain Home ist ein völlig nihilistisches
Werk, das zwar in sich geschlossen eine kompakte Einheit ergibt,
im Rahmen des Begriffes Musik aber nur schwer nachvollziehbar
bleibt und deshalb sogar mich zu zweifeln beginnen lässt.
Graveyard Mountain Home vermittelt
keine Gefühle, vielmehr scheint es eine ganz bestimmte
Atmosphäre vertonen zu wollen: Die Stille. Mit seiner minimalistischen,
fragilen Instrumentierung und gelegentlichen monotonen Beats
wird Graveyard Mountain Home zu einem
hypnotischen Werk, das weder Tiefpunkte noch Highlights bietet,
schlicht und einfach deswegen, weil seine Musik mehr Statik
als Dynamik aufweist und durch seine Monotonie entweder fesselt
oder einfach nur verstört. Die gelegentlich aufflackernden
Akustik-Gitarren, Vocals und Sprachsamples bleiben dabei auch
eher Mittel zum Zweck und dienen einzig und allein der Atmosphäre,
die vor allem durch weiche Keyboardsounds erzeugt wird. Gelegentlich
meint man sogar ein wenig Songstruktur erkennen zu können,
doch diese Momente währen nur kurz und werden durch Phasen
bedrückender Geräuschkulissen verdrängt.
Wer auf verrückte Klangexperimente steht, der muss in dieses
Werk zumindest mal reinhören. Selten habe ich Non-Konformität
auf so extreme Art und Weise erlebt wie in den 14 Tracks CHROMA
KEYs. Trotzdem stehe ich vor der Frage, wer dieses
Album hören geschweige denn verstehen soll. Ich bin zumindest
an meine Grenzen gelangt…