Derart
ausgereifte und durchdachte Songideen, liebevolle Detailarbeit
und dazu dieser Abwechslungsreichtum – „das können
keine Newcomer sein“ dachte ich mir und sollte recht behalten,
denn bisher gab es nur ein Demo namens Forthcoming
Addiction aus dem Jahr 2004.
Es beginnt schon mit den variantenreichen Vocals, die teils
klar und teils kreischend oder geschrieen klingen. Den Namen
Kjetil Nordhus (klare Stimme) habe ich doch schon mal gehört…ja
genau, bei Green Carnation ist er ja auch für den Gesang
verantwortlich. Unterstützt wird dieser von Svenn Aksel
Henriksen – und die beiden ergänzen sich perfekt.
Doch auch die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk wirklich
hervorragend, zaubern die Gitarristen doch Weltklassemelodien
aus dem Ärmel, wenn sie nicht gerade headbanger-kompatible
Riffs bieten. Besonders gut ist der Sound auf The
Masquerade, denn die Bassläufe von Endre
Kirkesola beispielsweise sind gut herauszuhören und gefallen
mir außerordentlich gut. Die Rhythmusarbeit schließt
auch Drummer Anders Kobro mit ein, dessen variantenreiches Spiel
zusätzliche Finesse in die Songs legt.
Der melodische Metal ist mit einem modernen Anstrich versehen,
wenige elektronische Sequenzen tauchen auf, nerven aber keineswegs,
denn eindeutig steht harte Gitarrenmusik im Vordergrund. Schon
gleich nach dem ersten Durchlauf bleiben die sorgfältig
ausgearbeiteten Gesangslinien im Gedächtnis hängen,
so besitzen die Songs einen nötigen Wiedererkennungswert,
sind nur schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen. Der Wechsel
des Tempos ist ein weiterer Pluspunkt von CHAIN COLLECTOR.
So stehen nach vorne losgehenden, schnellen Liedern wie Neverwhere
oder Hierarchy Of Murder (Code Of Silence) getragenere
Teile gegenüber, und die Balance stimmt perfekt.
Der Aufbau von The Masquerade ist
durchaus interessant: die ersten vier Songs sind allesamt zwischen
Mid-Tempo und flotteren Takten angesiedelt, bevor mit der fantastischen
Halbballade Crucifixion das Tempo gedrosselt wird und
akustische Gitarrenmelodien den Körper mit Gänsehaut
überziehen. Im Verlauf des knapp sieben Minuten dauernden
Ausnahmewerkes steigert sich die Band tempomäßig
aber wieder kontinuierlich; eine Frauenstimme wird genau im
richtigen Moment eingesetzt, bevor es leicht elektronisch weitergeht
und sich Gitarren und Samples die Klinke in die Hand geben.
Ein Break bietet wiederum Entspannung (Frauenstimme, Akustikgitarre),
bevor die Stimme wieder aggressiv wird und der Rhythmus stampfend
zum Mitbangen animiert. Ein ruhiger Schlussteil lässt das
akustische Wechselbad sanft ausklingen. Das folgende Project
Savior klingt durch den Kontrast zum Vorgänger umso
energischer – CHAIN COLLECTOR haben erkannt,
dass dauernde Geschwindigkeit langweilig werden könnte
und so rechne ich ihnen hoch an, das Tempo so geschickt zu variieren.
The Masquerade hält kompositorisch
einige sehr interessante Songs bereit, ich bin jedenfalls angetan
von der Detailverliebtheit was Gesang und Variation betrifft.
Gut gemachter Metal, der sich nicht unbedingt mit Melodic Death
ausreichend beschrieben ist. Hinter The Masquerade
brauchen sich die Künstler wahrlich nicht zu verstecken!