CHAIN COLLECTOR – The Masquerade

 
Label: Sound Riot Records
Release: 04.11.2005
Von: Stormlord
Punkte: 8.5/10
Time: 47:33
Stil: Melodic Death Metal
URL: Chain Collector
 
Derart ausgereifte und durchdachte Songideen, liebevolle Detailarbeit und dazu dieser Abwechslungsreichtum – „das können keine Newcomer sein“ dachte ich mir und sollte recht behalten, denn bisher gab es nur ein Demo namens Forthcoming Addiction aus dem Jahr 2004.
Es beginnt schon mit den variantenreichen Vocals, die teils klar und teils kreischend oder geschrieen klingen. Den Namen Kjetil Nordhus (klare Stimme) habe ich doch schon mal gehört…ja genau, bei Green Carnation ist er ja auch für den Gesang verantwortlich. Unterstützt wird dieser von Svenn Aksel Henriksen – und die beiden ergänzen sich perfekt.
Doch auch die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk wirklich hervorragend, zaubern die Gitarristen doch Weltklassemelodien aus dem Ärmel, wenn sie nicht gerade headbanger-kompatible Riffs bieten. Besonders gut ist der Sound auf The Masquerade, denn die Bassläufe von Endre Kirkesola beispielsweise sind gut herauszuhören und gefallen mir außerordentlich gut. Die Rhythmusarbeit schließt auch Drummer Anders Kobro mit ein, dessen variantenreiches Spiel zusätzliche Finesse in die Songs legt.
Der melodische Metal ist mit einem modernen Anstrich versehen, wenige elektronische Sequenzen tauchen auf, nerven aber keineswegs, denn eindeutig steht harte Gitarrenmusik im Vordergrund. Schon gleich nach dem ersten Durchlauf bleiben die sorgfältig ausgearbeiteten Gesangslinien im Gedächtnis hängen, so besitzen die Songs einen nötigen Wiedererkennungswert, sind nur schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen. Der Wechsel des Tempos ist ein weiterer Pluspunkt von CHAIN COLLECTOR. So stehen nach vorne losgehenden, schnellen Liedern wie Neverwhere oder Hierarchy Of Murder (Code Of Silence) getragenere Teile gegenüber, und die Balance stimmt perfekt.
Der Aufbau von The Masquerade ist durchaus interessant: die ersten vier Songs sind allesamt zwischen Mid-Tempo und flotteren Takten angesiedelt, bevor mit der fantastischen Halbballade Crucifixion das Tempo gedrosselt wird und akustische Gitarrenmelodien den Körper mit Gänsehaut überziehen. Im Verlauf des knapp sieben Minuten dauernden Ausnahmewerkes steigert sich die Band tempomäßig aber wieder kontinuierlich; eine Frauenstimme wird genau im richtigen Moment eingesetzt, bevor es leicht elektronisch weitergeht und sich Gitarren und Samples die Klinke in die Hand geben. Ein Break bietet wiederum Entspannung (Frauenstimme, Akustikgitarre), bevor die Stimme wieder aggressiv wird und der Rhythmus stampfend zum Mitbangen animiert. Ein ruhiger Schlussteil lässt das akustische Wechselbad sanft ausklingen. Das folgende Project Savior klingt durch den Kontrast zum Vorgänger umso energischer – CHAIN COLLECTOR haben erkannt, dass dauernde Geschwindigkeit langweilig werden könnte und so rechne ich ihnen hoch an, das Tempo so geschickt zu variieren.
The Masquerade hält kompositorisch einige sehr interessante Songs bereit, ich bin jedenfalls angetan von der Detailverliebtheit was Gesang und Variation betrifft. Gut gemachter Metal, der sich nicht unbedingt mit Melodic Death ausreichend beschrieben ist. Hinter The Masquerade brauchen sich die Künstler wahrlich nicht zu verstecken!