Entgegen
meiner sonstigen Gewohnheit will ich das Fazit in diesem Fall
mal vorweg nehmen: rein persönlich betrachtet ist das beste
Argument für den Kauf des neuen C-DRONE-DEFECT
Albums, das ich mir Vorgänger Neural Dysorder
Syndrome ebenfalls im Laden angehört und
dann stehen gelassen habe, während diesmal bei fünf
verschiedenen CD's in der Vorauswahl letztendlich nur Nemesis
in meinem Einkaufskorb gelandet ist.
Marc Horstmeier,
dem Kopf hinter C-DRONE-DEFECT, ist folglich
ein deutlicher Schritt nach vorne gelungen. Das neue Material
klingt einfach dichter und eindringlicher, die Atmosphäre
ist beklemmender, die Sounds wuchtiger. Da hat Daniel Myer (Haujobb)
beim Mix ganze Arbeit geleistet! Immer noch handelt es sich
eigentlich um recht altmodischen EBM in der Tradition von z.B.
Front Line Assembly oder Velvet Acid Christ; Musik also, die
vom Zusammenspiel harscher Beats, geschickt integrierter Samples
aus diversen Filmen, sich drohlich-dräuenden (Sequenzer-)Melodien
und, in diesem Fall, gelegentlich auch von im Hintergrund vor
sich hinlärmenden Gitarren lebt. Ein Stil, der in dieser
Konsequenz heutzutage nur noch selten zu hören ist, mir
aber immer noch gut gefällt. Vor allem, wenn dabei solche
Kracher wie Sin Society (mit einem coolen Saruman-Sample
am Anfang), Sleeper oder Fashion Victim herauskommen,
die unter normalen Umständen die Tanzböden in jeder
Electro-Disco zum Brodeln bringen sollten und auch in den eigenen
vier Wänden voll auf die 12 gehen. Aber auch etwas langsamere
Tracks wie Adolescence sind rundherum gelungen, während
Babel (nicht nur aufgrund der George W. Bush-Samples)
fast schon ein wenig nach Ministry klingt. Pandemonium
hingegen überrascht mit einer fast schon technoiden Ausstrahlung
und obskuren Melodien, so dass die Abwechslung definitiv nicht
zu kurz kommt.
Nemesis
bietet somit alles, was der Freund harter und anspruchsvoller
Synth-Klänge von einer CD erwarten sollte. Da ist es doch
auch kein Wunder, das ich diese 9-Punkte-CD mit nach Hause genommen
habe, oder? Aber bitte Obacht im Plattenladen: es befinden sich
Fehlpressungen im Umlauf, die leicht an der divergierenden Titelanzahl
(11 Tracks statt der originalen 10) zu erkennen sind. Bei Interesse
solltet ihr also die CD auf jeden Fall im Laden kurz in einen
Player schieben und diesen dann gründlich nachzählen
lassen...