Schon
die Vorgängeralben Winternight Tragedies,
ChaosBorn oder Eskhata
sind Prunkstücke nordisch-kalter Musizierkunst. Auch bei
der aktuellen CD Location: COLD ist
das Wort Kunst meiner Meinung nach nicht unangebracht.
Auf den ersten Blick wirkt Location: COLD
unspektakulär und risikolos: Produzent und Studio sind
gleich und optisch hat sich ebenso wenig verändert: mit
den lieb gewonnenen Wölfen am Cover bleibt man traditionell.
Auch akustisch sind die Werkzeuge die Gleichen geblieben: rasende
Songs, hervorragende Refrains und fantastische Melodien. Das
Keyboard hat auch immer noch seinen Platz, ist aber nicht dauernd
präsent – meist sind es effektvoll gesetzte Breaks,
die die Kompositionen noch abwechslungsreicher machen. Die Besonderheit
von CATAMENIA liegt an ihrer Energie und mitreißenden,
nach vorne peitschenden Liedern. Die Finnen vergessen bei aller
Hochgeschwindigkeit allerdings zum Glück nicht, auch auf
die Kraft von mittelschnellen Songteilen zu setzen. Bei den
Vocals hat sich Marginales getan im Hause CATAMENIA:
des Öfteren sind klare Gesänge zu vernehmen –
dieses Stilmittel wird aber nicht zu oft eingesetzt, um nicht
störend zu wirken. Viele Songs beginnen mit ein paar langsameren
Takten, die allerdings schon recht bald von typischen Hochgeschwindigkeitsattacken
abgelöst werden. Genau diesen Highspeedpassagen haben CATAMENIA
durch die Verwendung von groovigen Parts noch mehr Energie verpasst.
Schon mit dem Eröffnungsstück The Tribe Of Eternity
spielen CATAMENIA ihre Trümpfe aus: durchgehend
hochklassige Melodien, kontrolliertes Gebolze und eine fauchende
Stimme. Beim folgenden Gallery Of Fear geht dann die
Post so richtig ab und der Gefahr, der Eintönigkeit anheim
zu fallen, wirkt die Band mit einem Keyboardintermezzo entgegen,
das Tempo wird gedrosselt und so wieder ein angenehmer Kontrast
geschaffen.
Drei Kompositionen ragen aus dem Arsenal an Klassesongs noch
ein wenig heraus: zuerst einmal das mit einer sensationellen
Melodie gesegnete Coldbound, das durch Klargesang in
zusätzlichem Maße veredelt wird und im Liveprogramm
nicht fehlen darf. Dann natürlich der Titelsong Location:
COLD, prädestiniert als eine von vielen Hymnen, etwas
getragener und mit einem Refrain, der sich zum Mitgrölen
bestens eignet! Zum wiederholten Male taucht nach zwei Dritteln
der Spielzeit das Keyboard als Melodie führendes Instrument
auf steigert die Dynamik erheblich. Davon lebt auch The
Day When The Sun Faded Away, das ein Gitarrenriff bietet,
bei dem vor der Bühne sicher die Hölle los sein wird.
Den übrigen Tracks will ich kein Unrecht tun, wenn ich
sie nicht extra hervorhebe, das gesamte Material besitzt einen
Qualitätslevel, den ich nur noch bewundern kann.
An der Tradition, in der Landessprache zu singen, hält
die Band in Form des wütend dahinrasenden Tuhat Vuotta
auch fest. Das klingt zwar alles nicht neu, doch CATAMENIA
setzen nicht auf neuartige Einflüsse oder Experimente,
sondern bewegen sich innerhalb einer Stilistik, treiben diese
aber mit jedem Album immer weiter zur Perfektion. Das kreative
Potential scheint jedenfalls unerschöpflich und so bin
ich gespannt, was uns die Jungs in Zukunft noch vorlegen werden.
Warum gibt es dennoch nicht die Höchstpunkteanzahl? Tja,
die Coverversion I Wanna Be Somebody hätte nicht
unbedingt sein müssen, hat man doch genügend hochkarätige
Eigenkompositionen am Start. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler
einer neu vertonten Fremdkomposition und dem etwas unspektakulären
Expect No Mercy ist das neue Album wieder eine gewohnt
erstklassige Leistung! Ein Zitat aus dem Titellied drückt
es wohl am besten aus: I want to live and die in Location:
COLD!!!