CATAMENIA – Location: COLD

 
Label: Massacre Records
Release: 25.08.2006
Von: Stormlord
Punkte: 9.5/10
Time: 47:10
Stil: Melodic Black Metal
URL: Catamenia
 
Schon die Vorgängeralben Winternight Tragedies, ChaosBorn oder Eskhata sind Prunkstücke nordisch-kalter Musizierkunst. Auch bei der aktuellen CD Location: COLD ist das Wort Kunst meiner Meinung nach nicht unangebracht.
Auf den ersten Blick wirkt Location: COLD unspektakulär und risikolos: Produzent und Studio sind gleich und optisch hat sich ebenso wenig verändert: mit den lieb gewonnenen Wölfen am Cover bleibt man traditionell. Auch akustisch sind die Werkzeuge die Gleichen geblieben: rasende Songs, hervorragende Refrains und fantastische Melodien. Das Keyboard hat auch immer noch seinen Platz, ist aber nicht dauernd präsent – meist sind es effektvoll gesetzte Breaks, die die Kompositionen noch abwechslungsreicher machen. Die Besonderheit von CATAMENIA liegt an ihrer Energie und mitreißenden, nach vorne peitschenden Liedern. Die Finnen vergessen bei aller Hochgeschwindigkeit allerdings zum Glück nicht, auch auf die Kraft von mittelschnellen Songteilen zu setzen. Bei den Vocals hat sich Marginales getan im Hause CATAMENIA: des Öfteren sind klare Gesänge zu vernehmen – dieses Stilmittel wird aber nicht zu oft eingesetzt, um nicht störend zu wirken. Viele Songs beginnen mit ein paar langsameren Takten, die allerdings schon recht bald von typischen Hochgeschwindigkeitsattacken abgelöst werden. Genau diesen Highspeedpassagen haben CATAMENIA durch die Verwendung von groovigen Parts noch mehr Energie verpasst. Schon mit dem Eröffnungsstück The Tribe Of Eternity spielen CATAMENIA ihre Trümpfe aus: durchgehend hochklassige Melodien, kontrolliertes Gebolze und eine fauchende Stimme. Beim folgenden Gallery Of Fear geht dann die Post so richtig ab und der Gefahr, der Eintönigkeit anheim zu fallen, wirkt die Band mit einem Keyboardintermezzo entgegen, das Tempo wird gedrosselt und so wieder ein angenehmer Kontrast geschaffen.
Drei Kompositionen ragen aus dem Arsenal an Klassesongs noch ein wenig heraus: zuerst einmal das mit einer sensationellen Melodie gesegnete Coldbound, das durch Klargesang in zusätzlichem Maße veredelt wird und im Liveprogramm nicht fehlen darf. Dann natürlich der Titelsong Location: COLD, prädestiniert als eine von vielen Hymnen, etwas getragener und mit einem Refrain, der sich zum Mitgrölen bestens eignet! Zum wiederholten Male taucht nach zwei Dritteln der Spielzeit das Keyboard als Melodie führendes Instrument auf steigert die Dynamik erheblich. Davon lebt auch The Day When The Sun Faded Away, das ein Gitarrenriff bietet, bei dem vor der Bühne sicher die Hölle los sein wird. Den übrigen Tracks will ich kein Unrecht tun, wenn ich sie nicht extra hervorhebe, das gesamte Material besitzt einen Qualitätslevel, den ich nur noch bewundern kann.
An der Tradition, in der Landessprache zu singen, hält die Band in Form des wütend dahinrasenden Tuhat Vuotta auch fest. Das klingt zwar alles nicht neu, doch CATAMENIA setzen nicht auf neuartige Einflüsse oder Experimente, sondern bewegen sich innerhalb einer Stilistik, treiben diese aber mit jedem Album immer weiter zur Perfektion. Das kreative Potential scheint jedenfalls unerschöpflich und so bin ich gespannt, was uns die Jungs in Zukunft noch vorlegen werden.
Warum gibt es dennoch nicht die Höchstpunkteanzahl? Tja, die Coverversion I Wanna Be Somebody hätte nicht unbedingt sein müssen, hat man doch genügend hochkarätige Eigenkompositionen am Start. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler einer neu vertonten Fremdkomposition und dem etwas unspektakulären Expect No Mercy ist das neue Album wieder eine gewohnt erstklassige Leistung! Ein Zitat aus dem Titellied drückt es wohl am besten aus: I want to live and die in Location: COLD!!!