Tja,
wenn Robert Görl und Gabi Delgado-Lopez, besser bekannt unter
dem Namen D.A.F., für ihr Reunion-Album ein paar potente
Songwriter an Bord geholt hätten (was nebenbei bemerkt vielleicht
gar nicht so verkehrt gewesen wäre), dann wären Leif
Holm und Christian Riemslag bei diesem Unterfangen allererste
Wahl gewesen. Haben sie aber nicht, und so können die beiden
Skandinavier ihr beachtliches erstes (CD-)Statement
unter eigenem Namen unter's Future Pop-müde Volk bringen.
Das
wir uns nicht missverstehen: dafür sollte man den beiden
Jungs verdammt dankbar sein. Nachdem man ja kaum noch außer
Haus gehen kann, ohne gleich von technoverseuchten oder chartskompatiblen
Weichspül-Electro überfallen zu werden, wiegt eine solche
Scheibe nämlich um so schwerer. Ok, hier wurde der Synthesizer
nicht neu erfunden, aber wenn stört das schon, wenn endlich
mal wieder der Electro-Hammer kreist!
CAP
(steht für Controlled Analogue
Programming) bewegen sich auf ihrem Debüt
folglich musikalisch stil- und geschmackssicher zwischen D.A.F.,
alten Front 242 und Nitzer Ebb, während der Gesang manchmal
an Skinny Puppy erinnert. Als Mitglied von Pouppee Fabrik weiß
Leif Holm auch geschickt alle Untiefen zu umschiffen, die sich
in diesem Genre auftun, während hier ganz gezielt alle Stärken
ausgespielt werden. Ultratiefe Rhythm-Patterns, straightes Drumming
(sogar mit einer peitschenden Snare und nicht nur drögen
Bumm Bumm Bass Drums), das nötige Mindestmaß an Abwechslung
und ein unbändiger Drive bestimmen das Bild, egal ob es eher
schwer und heftig oder mit vollem Tempo zur Sache geht.
Bereits
der Opener Seven Sins erinnert so von Anfang an an selige
Zeiten. Mutig, weil nun rein gar nicht zeitgemäß, für
den Einstieg ein eher langsameres Stück zu wählen, aber
dafür fräßt sich dieser Track um so unnachgiebiger
in die Gehörgänge und überzeugt von Anfang durch
lang vermisste Härte. Mit C.S.F. wird es dann zum
ersten Mal etwas flotter, die richtigen Highlights folgen allerdings
noch. Da wären vor allem der treibende Clubkiller Bad
Dreams sowie das ultraderbe und schnelle, auf deutsch gesungene
Stahlherz zu nennen. Am meisten hat mich persönlich
aber Walk The Dead überzeugt, das mit seiner langsamen,
verschleppten Rhythmik und den knochentrocken (sic!) Beats einen
unglaublichen Druck aus den Boxen pumpt. Geil!
Hier wird auch besonders deutlich, wie nah diese CD musikalisch
vor allem an D.A.F. angelehnt ist. Gerade das Schlagzeug und die
Melodien erinnern ungemein an die Klassiker (Alles ist gut; Gold
und Liebe) dieser Kultband. Man könnte sogar meinen, am CAPschen
Drumcomputer würde sich ein Robert Görl-Schalter befinden,
da sogar die Beckenschläge haargenau diese Stilistik verfolgen.
Und damit eine gehörige Portion zur Faszination dieser CD
beitragen...
Doch
auch die anderen Stücke vermögen allesamt zu überzeugen.
Genannt seien hier nur noch Friends, der Rausschmeißer
Time's Running Out und Are We Strong. Mich würde
nicht wundern, wenn diese CD in Electro-Kreisen mal als Klassiker
gehandelt wird. Bis dahin solltet ihr euch allerdings selber eine
Gefallen tun und Statement so oft wie
möglich in den Player schieben. Fette neun Punkte sind nämlich
für diesen Silberling wirklich die absolut unterste Grenze.
CAP |