CAP - Statement
Label: Life Is Painful Records
Release: November 2002
Von: Psycho
Punkte: 9
 

Tja, wenn Robert Görl und Gabi Delgado-Lopez, besser bekannt unter dem Namen D.A.F., für ihr Reunion-Album ein paar potente Songwriter an Bord geholt hätten (was nebenbei bemerkt vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen wäre), dann wären Leif Holm und Christian Riemslag bei diesem Unterfangen allererste Wahl gewesen. Haben sie aber nicht, und so können die beiden Skandinavier ihr beachtliches erstes (CD-)Statement unter eigenem Namen unter's Future Pop-müde Volk bringen.

Das wir uns nicht missverstehen: dafür sollte man den beiden Jungs verdammt dankbar sein. Nachdem man ja kaum noch außer Haus gehen kann, ohne gleich von technoverseuchten oder chartskompatiblen Weichspül-Electro überfallen zu werden, wiegt eine solche Scheibe nämlich um so schwerer. Ok, hier wurde der Synthesizer nicht neu erfunden, aber wenn stört das schon, wenn endlich mal wieder der Electro-Hammer kreist!

CAP (steht für Controlled Analogue Programming) bewegen sich auf ihrem Debüt folglich musikalisch stil- und geschmackssicher zwischen D.A.F., alten Front 242 und Nitzer Ebb, während der Gesang manchmal an Skinny Puppy erinnert. Als Mitglied von Pouppee Fabrik weiß Leif Holm auch geschickt alle Untiefen zu umschiffen, die sich in diesem Genre auftun, während hier ganz gezielt alle Stärken ausgespielt werden. Ultratiefe Rhythm-Patterns, straightes Drumming (sogar mit einer peitschenden Snare und nicht nur drögen Bumm Bumm Bass Drums), das nötige Mindestmaß an Abwechslung und ein unbändiger Drive bestimmen das Bild, egal ob es eher schwer und heftig oder mit vollem Tempo zur Sache geht.

Bereits der Opener Seven Sins erinnert so von Anfang an an selige Zeiten. Mutig, weil nun rein gar nicht zeitgemäß, für den Einstieg ein eher langsameres Stück zu wählen, aber dafür fräßt sich dieser Track um so unnachgiebiger in die Gehörgänge und überzeugt von Anfang durch lang vermisste Härte. Mit C.S.F. wird es dann zum ersten Mal etwas flotter, die richtigen Highlights folgen allerdings noch. Da wären vor allem der treibende Clubkiller Bad Dreams sowie das ultraderbe und schnelle, auf deutsch gesungene Stahlherz zu nennen. Am meisten hat mich persönlich aber Walk The Dead überzeugt, das mit seiner langsamen, verschleppten Rhythmik und den knochentrocken (sic!) Beats einen unglaublichen Druck aus den Boxen pumpt. Geil!
Hier wird auch besonders deutlich, wie nah diese CD musikalisch vor allem an D.A.F. angelehnt ist. Gerade das Schlagzeug und die Melodien erinnern ungemein an die Klassiker (Alles ist gut; Gold und Liebe) dieser Kultband. Man könnte sogar meinen, am CAPschen Drumcomputer würde sich ein Robert Görl-Schalter befinden, da sogar die Beckenschläge haargenau diese Stilistik verfolgen. Und damit eine gehörige Portion zur Faszination dieser CD beitragen...

Doch auch die anderen Stücke vermögen allesamt zu überzeugen. Genannt seien hier nur noch Friends, der Rausschmeißer Time's Running Out und Are We Strong. Mich würde nicht wundern, wenn diese CD in Electro-Kreisen mal als Klassiker gehandelt wird. Bis dahin solltet ihr euch allerdings selber eine Gefallen tun und Statement so oft wie möglich in den Player schieben. Fette neun Punkte sind nämlich für diesen Silberling wirklich die absolut unterste Grenze.

CAP