Um die deutsche
Metal-Szene ist es die letzte Zeit doch recht still geworden,
zumindest was interessante Neuzugänge angeht. Noch schlimmer
sieht es beim Progressiv Metal aus. Umso schöner ist es
nun, ein Demo von einer Band aus dem Ruhrgebiet im Player zu
haben, das man nicht gleich nach Strich und Faden verreißen
muss.
CANDELA (lat. Talg-, Wachslicht; bestimmte
Lichtstärkeeinheit cd) bezeichnen ihre Musik zwar als Progressive
Metal und lassen auf ihrer EP Diversity
auch einige progressive Elemente einfließen, doch manifestiert
sich hier leider einmal mehr, dass viele Musiker und auch Hörer
den Unterschied zwischen Metal und Progressive Metal noch nicht
so ganz verstanden haben. Es reicht eben nicht, sich einen Keyboarder
an Bord zu holen, der ein paar nette Melodien zum üblichen
Gitarrenbrett spielt. Es reicht nicht, einfach das Songwriting
in sofern zu verändern, dass man schnellere, heftigere
Parts mit ruhigeren abwechselt. Es geht z.B. schon darum, artfremde
Musikstile einfließen zu lassen, ungewöhnliche Rhythmen
zu kreieren, oder nicht ständig die übliche Abfolge
von Strophe, Refrain und Bridge zu benutzen. Und dann kann das
Ganze auch nur richtig gut werden, wenn die beteiligten Musiker
ihre Instrumente möglichst gut beherrschen. Letzteres kann
man den Jungs und dem Mädel von CANDELA
nicht wirklich zum Vorwurf machen – vor allem Gitarristin
Juliane Ehl beeindruckt mit schönen Leads und soliden Soli.
Auch das „puckernde“ Drumming in Going Down
ist interessant, da es schon fast aus dem Black Metal kommen
könnte. Einzig die Vocals gehen mir persönlich doch
reichlich auf die Nerven – die jahrelange, verzweifelte
Suche nach einem passenden Sänger sollten CANDELA
meiner Meinung nach noch fortführen. Die Songs sind alles
in Allem prima, auch die Lyrics scheinen nachdenklich und nicht
pseudo-intellektuell zu sein und sogar das Artwork für
Cover und Booklet der Demo, das von der Gitarristin stammt,
kann sich wirklich sehen lassen.
Diversity ist sicherlich kein Meilenstein,
aber CANDELA ist eine engagierte, vielleicht
sogar viel versprechende Band, der man einen gewissen Erfolg
durchaus gönnt und für die man hoffen kann, dass sie
in Zukunft ihre Releases nicht mehr komplett in Eigenregie aufnehmen
muss, obwohl das Ergebnis sich soundtechnisch echt sehen, äh,
hören lassen kann.
Hoffnungsvolle
7,0 Punkte von mir!