CAMOUFLAGE – Relocated

 
Label: SPV
Release: 25.08.2006
Von: Semiramis
Punkte: 7.5/10
Time: 53:26
Stil: Electropop
URL: Camouflage
 
Es ist ja schon ein Weilchen her, seit CAMOUFLAGE den letzten Tonträger auf den Markt warfen - das gefällige und recht erfolgreiche Album Senses in 2003.
Nun also Relocated. Der Name ist Programm, haben Heiko, Marcus und Oliver ja nicht nur ihr Label gewechselt (von Polydor zu SPV), sondern sind auch alle nach Berlin übergesiedelt.

Relocated liefert in abwechslungsreicher Mischung sowohl ruhigen, mitunter (atmo-)sphärisch anmutenden, aber auch recht tanzflächentauglichen Elektropop mit eingängigem Gesang und ein paar Gitarreneinsprengseln hier und da. Sphärisch besonders die beiden kurzen Instrumentaltracks, das meditative Stream und Light.
Natürlich bleibt auch auf diesem Album der Exil-Schwaben der Vergleich mit dem großen Bruder aus der Elektropop-Familie nicht aus, was besonders gleich zu Anfang in We Are Lovers, sowie in Passing By und Dreaming recht ohrenfällig wird.
Es sind alte, den Neunzigern entsprungene Einflüsse erkennbar, aber auch der Stil des 2003er Albums wirkt nach, so entsteht eine gereifte und ausgewogene, gesangsstilistisch variierende (je nach dem, wer gerade singt, mal rauer, mal glatter) Abfolge von Songs, welche die Erwartungen wohl nicht enttäuschen dürften.
Meine persönlichen Favoriten sind Confusion, The Perfect Key, Bitter Taste und Something Wrong.
Confusion mochte ich sofort wegen seines lässigen, schlendernden, tanzbaren Rhythmus’, der herrlich Retro an die 90er gemahnt. The Perfect Key tarnt sich zu Beginn als ruhige, wenngleich etwas raue Ballade, baut aber unterschwellig einen Spannungsbogen auf, der sich gegen Ende entlädt und mich gar kurzfristig ein kleines bisschen an NIN denken ließ. Bitter Taste ist so etwas wie ein Blues mit langem Intro und Outro, sehr getragen und wäre sicherlich ein geeigneter Soundtrack für einen einsamen nächtlichen Spaziergang durch die Stadt (wobei mir auffiel, dass der Gesang leider an ein, zwei Stellen etwas dünn wirkt). Something Wrong ist auch wieder etwas rauer, baut sich langsam auf, während der Refrain dann sehr schön textkompatibel zornig losbricht.
Zu erwähnen wäre noch der letzte Track How Do You Feel, satte sieben Minuten lang, begleitet von einem recht sakral anmutenden Chor. Der bleibt erst im Hintergrund und singt schließlich den Refrain immer wieder alleine, wobei zum Ende hin der etwas schrille erste Sopran mehr und mehr heraussticht, was mir (meines Zeichens mit klassischem Chorgesang vertraut, da Musikwissenschaftler) ein ganz klein wenig auf die Nerven ging. Ein stilistisch etwas unerwarteter, aber würdiger Schluss für ein rundum gelungenes, abwechslungsreiches Album, wie ich meine.

Track 2 Motif Sky ist seit dem 28.7. als erste Singleauskopplung in der limited Edition im Digipack mit 5 Tracks (Extended Version, Remix und zwei weitere Songs) erhältlich und man kann in diesen Song auch auf der Homepage reinhören.