Relocated
liefert in abwechslungsreicher Mischung sowohl ruhigen, mitunter
(atmo-)sphärisch anmutenden, aber auch recht tanzflächentauglichen
Elektropop mit eingängigem Gesang und ein paar Gitarreneinsprengseln
hier und da. Sphärisch besonders die beiden kurzen Instrumentaltracks,
das meditative Stream und Light.
Natürlich bleibt auch auf diesem Album der Exil-Schwaben
der Vergleich mit dem großen Bruder aus der Elektropop-Familie
nicht aus, was besonders gleich zu Anfang in We Are Lovers,
sowie in Passing By und Dreaming recht ohrenfällig
wird.
Es sind alte, den Neunzigern entsprungene Einflüsse erkennbar,
aber auch der Stil des 2003er Albums wirkt nach, so entsteht
eine gereifte und ausgewogene, gesangsstilistisch variierende
(je nach dem, wer gerade singt, mal rauer, mal glatter) Abfolge
von Songs, welche die Erwartungen wohl nicht enttäuschen
dürften.
Meine persönlichen Favoriten sind Confusion,
The Perfect Key, Bitter Taste und Something
Wrong.
Confusion mochte ich sofort wegen seines lässigen,
schlendernden, tanzbaren Rhythmus’, der herrlich Retro
an die 90er gemahnt. The Perfect Key tarnt sich zu
Beginn als ruhige, wenngleich etwas raue Ballade, baut aber
unterschwellig einen Spannungsbogen auf, der sich gegen Ende
entlädt und mich gar kurzfristig ein kleines bisschen
an NIN denken ließ. Bitter Taste ist so etwas
wie ein Blues mit langem Intro und Outro, sehr getragen und
wäre sicherlich ein geeigneter Soundtrack für einen
einsamen nächtlichen Spaziergang durch die Stadt (wobei
mir auffiel, dass der Gesang leider an ein, zwei Stellen etwas
dünn wirkt). Something Wrong ist auch wieder
etwas rauer, baut sich langsam auf, während der Refrain
dann sehr schön textkompatibel zornig losbricht.
Zu erwähnen wäre noch der letzte Track How Do
You Feel, satte sieben Minuten lang, begleitet von einem
recht sakral anmutenden Chor. Der bleibt erst im Hintergrund
und singt schließlich den Refrain immer wieder alleine,
wobei zum Ende hin der etwas schrille erste Sopran mehr und
mehr heraussticht, was mir (meines Zeichens mit klassischem
Chorgesang vertraut, da Musikwissenschaftler) ein ganz klein
wenig auf die Nerven ging. Ein stilistisch etwas unerwarteter,
aber würdiger Schluss für ein rundum gelungenes,
abwechslungsreiches Album, wie ich meine.
Track 2 Motif
Sky ist seit dem 28.7. als erste Singleauskopplung in
der limited Edition im Digipack mit 5 Tracks (Extended Version,
Remix und zwei weitere Songs) erhältlich und man kann
in diesen Song auch auf der Homepage reinhören.