Dass
CALES aus der Black-Metal Band Roots hervorgegangen sein
soll, nimmt man leicht erstaunt zur Kenntnis, verwirft es aber
gleich wieder. Ist auch mehr als anderthalb Dekaden her, und
Savage Blood ist bereits CALES vierter
Longplayer. Von einem Band-Album zu sprechen, fällt ebenfalls
schwer, denn Savage Blood wurde im Alleingang
vom tschechischen Musiker Blackosh eingespielt. Dabei erheben
weder er, noch Gastsänger die Stimme, denn Savage
Blood ist ein rein instrumentales Werk. Eine Seltenheit
im klassisch ausgerichteten Metal (Derek Sherinian, Planet X
und alle Saiten- und Tastenzauberer, die Genregrenzen sprengen
und weit in Jazzbereiche hineinreichen, klammern wir mal aus.).
Nicht mal Danzigs knapp EP-langes Opus Black Aria taugt als
vergleichbare Referenz, denn Danzig verweigert sich nahezu komplett
der musikalischen Ausrichtung seiner anderen Alben. Da ist Savage
Blood schon eine andere Hausnummer.
Es beginnt mit dem atmosphärischen semi-akustischen Einstieg
Transfer, der alsbald an Fahrt aufnimmt, ohne in einen
Höchstgeschwindigkeitsrausch zu verfallen. Was ein Kennzeichen
für’s ganze Album ist: vorherrschendes Tempo ist
das Mittlere. Gefrickelt wird ebenfalls nicht, die progressiven
Augenblicke sind gemäßigt und streifen bereits den
Melodic Rock. Dito die Ausflüge in die dunklen Gefilde
des Doom- oder Blackmetals. Savage Blood ist eine
ausgewogene Sache: melodiös, aber nicht kitschig, straight,
aber trotzdem recht abwechslungsreich. Die Stimmungslagen reichen
von partytauglicher Gute Laune-Musik (Volk Tektosag)
zu leicht nachdenklichen Stücken, die von der Akustikgitarre
geprägt sind (UnEarthly). Das ist alles nicht sonderlich
komplex, macht aber fast durch die Bank Spaß, und lässt
das ein oder andere Mal durchaus aufhorchen. Blackosh ist ein
geschmeidiges, charmantes Album gelungen, das sich wunderbar
neben diversen Tätigkeiten im Haushalt hören lässt,
aber auch nicht untergeht, wenn man ihm seine gesamte Aufmerksamkeit
widmet. Lediglich das atonale Windspiel zum Schluss ist etwas
unpassend, mit seiner knapp einmütigen Spielzeit aber leicht
abzuhaken.