Zachary
Stevens (sang z.B. Meilensteine wie Edge Of Thorns von Savatage
ein) und seine Mannschaft CIRCLE II CIRCLE haben sich
verändert! Nach wie vor spielen die Jungs knackigen Power
Metal, der jedoch etliches an Heftigkeit hinzugewonnen hat.
Schon das eröffnende Fatal Warning entspricht seinem
Titel und überrascht mit heftigen Rhythmen sowie zündender
Gitarren- und Schlagzeugpower. Der Refrain ist zwar kein absoluter
Garant für enthusiastische Reaktionen, sondern erinnert
eher an härtere Eröffnungsstücke von Savatage
der Marke Taunting Cobras. So heavy geht es wie von mir eigentlich
erwartet nicht weiter, obwohl auch das folgende Dead Of Dawn
kraftstrotzend nach vorne rockt. Verspielte Harmonien und die
ausdrucksstarke Stimme von Zak veredeln dieses Stück. Ein
typisches Solo, elegisch aufgebaut, steht in leichtem Gegensatz
zum sonst geradlinigen Aufbau, der auch eine kurze Akustikgitarreneinlage
am Ende zu bieten hat.
Wo bleiben denn die sonst oft verwendeten Pianoklänge?
Nur versteckt sind diese etwa im Lied Forever zu hören,
das mit einem interessanten Gitarrensolo aufwartet. Die in der
Vergangenheit geschätzten balladesken Töne sind erst
beim vierten Stück Echoes vereinzelt anzutreffen.
Hier spüre ich den ersten Anflug von Gänsehaut, hervorgerufen
vom wohlklingenden Timbre, das Zaks Stimme so unvergleichlich
macht. Endlich erklingt die sanfte Pianobegleitung mehr im Vordergrund.
Die vom Klavier getragene Ballade Every Last Thing stellt
dann auch all jene zufrieden, denen die sanfte Seite der Band
schon immer zusagte, doch auch hier mischen sich kraftvolle
Elemente immer wieder ein und gewinnen letztendlich sogar die
Oberhand. Gegen Ende setzen CIRCLE II CIRCLE mit einem
mehrstimmigen Kanongesang einen würdigen Schlusspunkt.
Im Allgemeinen versprüht Delusions Of Grandeur
also mehr Biss als Melancholie, mehr zupackende Aggressivität
als einschmeichelnde Romantik, mehr Geradlinigkeit als verspielte
Arrangements. So fehlen mir auch ein wenig die magischen und
intensiven Momente die CIRCLE II CIRCLE so emotional
machten. Das neue Werk ist jedenfalls um einiges sperriger und
schwerer zugänglich, offenbart aber nach etlichen Durchläufen
hintergründige Tiefe anstelle von offensichtlicher Eingängigkeit
– das macht Delusions Of Grandeur zu einer
Veröffentlichung mit Langzeitwirkung.