Eine
der ältesten Rock’n’Roll-Weisheiten besagt,
dass das dritte Album einer Band über deren weiteren Werdegang
entscheidet. Geht das Ding ab wie Schmitz Katze steht einer
größeren Karriere nichts im Wege, aber wenn nicht,
dann sollte man sich spätestens jetzt einen regulären
Job suchen, um sein Hobby finanziell abzusichern. Interessanter
Weise bezieht sich diese Weisheit aber ausschließlich
auf den finanziellen Erfolg eines Albums; die Qualität
der Musik hingegen interessiert in der Branche niemanden. Wie
gut also, dass euer allseits geschätztes Lieblings-Online-Mag
sich nur auf diesen Aspekt konzentriert...
Und aus dieser Perspektive kann ich ehrlich gesagt nur hoffen,
dass die vier halberneuerten (Gitarrist und Bassist sind neu
dabei) BLOODFLOWERZ allesamt jobtechnisch gut
versorgt sind, denn Dark Love Poems
ist zwar alles anderes als ein schlechtes Album geworden, aber
auf der anderen Seite auch nicht gerade der Knaller, der es
aus der Masse der monatlichen Veröffentlichungen herausragen
lassen würde. Ein Hauptproblem ist dabei sicherlich der
Mangel an unverkennbarer Identität; zwar macht die Band
ganz routinierten, etwas härteren (Alternative-)Rock mit
einigen Gothic-Einlagen, aber so richtig was Besonderes ist
das nicht. Meistens kommt an dieser Stelle dann der Gesang ins
Spiel, denn dieses „Instrument“ ist für viele
Hörer immer noch der Aspekt, der am ehesten im Ohr hängen
bleibt (mal von extremeren Richtungen abgesehen). Kirsten Zahn
legt sich dann auch entsprechend ins Zeug und versucht wirklich
alle Register zu ziehen, aber zumindest bei mir kommen die Emotionen
nicht genügend zündend an. Denn da reicht es einfach
nicht, mal ein paar kurzatmig gejapste Kieklaute zu produzieren
(z.B. am Ende von Damaged Promises) oder immer wieder
mal ein paar bewusst leicht schrägere Töne (vor allem
in den Refrains) einzubringen.
Am besten gefällt mir daher noch Anthem For A Stranger,
welches unter Mitwirkung der Schandmaul-Musikerin Birgit Muggenthaler
entstanden ist. Hier wird der stilistische Rahmen endlich mal
wirkungsvoll durchbrochen, die Melodien sind viel zwingender,
und das ganze macht einfach einen runderen, ansprechenderen
Eindruck. Zu viele der anderen Songs sind dagegen spätestens
nach dem dritten Durchlauf potentiell ausgelutscht und damit
in meinem Augen schnell langweilig, wie z.B. Healing Hearts
oder Queen Of The Freakshow. Mit Sajidas’
Song oder Last Dance verfügt man aber immerhin
über potentielle Single-Hits, und die wollen ja schließlich
erst mal geschrieben werden, auch wenn ich persönlich nicht
so auf mit der Brechstange gemachten Stadion-Rock stehe. Macht
summa summarum immerhin 6 Punkte. Für eine internationale
Karriere, wie im Info angedeutet, wird es aber wohl nicht reichen...