Trotz
eines sich in den letzten Jahren stark gewandelten Marktes gilt
für ambitionierte Bands vermutlich auch heute noch die
alte Business-Regel: das dritte Album entscheidet, ob du den
großen Durchbruch schaffst oder nicht. Nun, mangelnden
Erfolg kann man der schwedischen All-Star-Combo BLOODBATH
bisher sicherlich nicht vorwerfen. Da stellt sich also eher
die Frage, ob das Quintett damit zufrieden ist, weiterhin zwar
geilen, aber stilistisch wenig innovativen Old School-DM zu
spielen, oder ob man tatsächlich gewillt ist, eben nicht
nur mit dem Banner des Projekt-Status hausieren zu gehen, sondern
sich als ernsthafte Band weiterzuentwickeln.
The Fathomless Mastery beantwortet diese Frage
ziemlich eindeutig, denn differenzierter, abwechslungsreicher
und „unschwedischer“ haben BLOODBATH noch
nie geklungen. Folglich wirkt die Musik diesmal einen spürbaren
Zacken moderner als bisher, was sich zunächst erst einmal
als Nachteil entpuppt, da die Eingängigkeit, die vor allem
das Debüt auszeichnete, nur noch marginal vorhanden ist.
Das führt dazu, dass man doch einige Durchläufe mehr
als erwartet benötigt, um mit dem neuen Material warm zu
werden. Was sich aber zum Glück als sehr lohnend herausstellt!
Ein Pluspunkt ist sicherlich die Rückkehr von Mikael Åkerfeld.
Beim letzten Album habe ich noch eine Lanze für Peter Tätgren
gebrochen, wozu ich auch heute noch stehe. Trotzdem muss ich
klar anerkennen, dass der Opeth-Sänger hier eine grandiose
Leistung abliefert; fast klingt es so, als wolle er sich etwas
von der Seele growlen, wozu er bei seiner regulären Band
sonst keine Gelegenheit hat. Aber auch beim Songwriting hat
sich was getan: komplexere Abläufe und Riffs, aber auch
vermehrte Blastbeats finden sich allenthalben. Das hat sich
zwar auf Nightmares Made Flesh bereits angedeutet,
aber auf jetzt werden die Extreme deutlicher ausgereizt, und
generell haben die Schweden diesmal besonders viel Wert auf
Abwechslung und Atmosphäre gelegt. Folglich kriegen wir
mit At The Behest Of Their Death, Treasonous oder Drink
From The Cup Of Heresy richtig harten Stoff serviert, Mock
The Cross oder Iesous klingen stark nach Florida,
während z.B. das Ende von Hades Rising fast schon
in Left Hand Path-Dimensionen vorstößt. Wer bisher
hingegen vor allem die Resurrection Through Carnage
CD favorisiert hat, den dürfte am ehesten der Rausschmeißer
Wretched Human Mirror begeistern.
Fast allen Stücken gemein ist das extrem gelungene Einbinden
von mitreißenden Melodien, die trotz der etwas härteren
Gangart nicht zu kurz kommen. Sie tragen die Tracks halt nur
nicht mehr in dem Maße, wie es vorher der Fall war. Nicht
verhehlen will ich allerdings, dass Devouring The Feeble
das restliche Niveau nicht ganz halten kann, und dass ich den
Snare-Sound irgendwie recht platt finde. Dafür halte ich
jedoch das Sleeve-Design für das Gelungenste aller bisherigen
Veröffentlichungen. Denn der abstrakte-morbide Stil passt
perfekt zu der musikalischen Ausrichtung von The Fathomless
Mastery.
Ohne Zweifel: BLOODBATH schicken mal wieder einen ganz
heißen Anwärter für die Death Metal-CD des Jahres
ins Rennen, auch wenn es vermutlich wieder mal keine Tour geben
wird. Aufgrund der angesprochenen minimalen Schwächen reicht
es diesmal allerdings nicht für 10, aber immerhin noch
9,5 Punkte. Qualitätsbewusste DM-Fans kommen jedenfalls
endgültig an der Band nicht mehr vorbei.