BLINDED
RAIN spielen Gothic Rock der deftigen Art. Zwar verstehen
sie sich auch auf Balladeskes (Queen Of Silence, Goodbye
The Dreamer), aber meist drücken sie ordentlich auf
die Tube und das auf sehr angenehme Art. Weinerliches Pathos
ist den drei Finnen fremd, Kaides kräftige Vocals verlieren
nicht mal die Bodenhaftung, wenn seine Stimme von Streichern
und jubilierenden Chören unterstützt wird. Ganz im
Gegenteil, sorgen die opulenten Momente doch für ein dramatisches
Element, das die heftigeren der kurzen Songs davor bewahrt in
pure Powermetal-Gefilde abzuwandern. Textlich bewegen wir uns
in wohlbekannter Düsterrock-Poesie; viel Zwielicht, ein
paar Dämonen, zweifelnde Helden, zerbrechende Beziehungen,
Wahnsinn, Grausamkeit - das ganze Panoptikum eben. Dargereicht
in einem Kelch der den dunklen Sud der Verzweiflung schmackhaft
werden lässt. Es gibt nicht viel zu meckern, BLINDED
RAIN liefern kurze, knackige Songs zwischen dreieinhalb
und knapp fünf Minuten, die eigenständig genug sind,
ohne große Vorbilder auskommen zu können. HIM sind
glücklicherweise weit weg, ein- zwei Momente erinnern tatsächlich
an Deine Lakaien, was inmitten der metallischen Härte für
behagliche Zustimmung sorgt, und einer Band, deren Bassist Günther
heißt, wohl zusteht!
Wenige Male schlittern die Songs etwas harmlos über das
Parkett der Melodienseligkeit (Fragile), aber das wird
aufgefangen durch finessenreiche Intermezzi, die mal hart, mal
zart auch die schwächeren Stücke vor dem Absturz in
die Bedeutungslosigkeit bewahren. Aber da die mitreißenden
Momente sowieso überwiegen, mag es ja sein, das die Destination
Unknown ist, aber wir begleiten BLINDED RAIN
gern auf die Reise dorthin.