Ich muss
ja zugeben, dass ich eine kleine Schwäche für Musik
aus Italien habe, vorzugsweise von der Wavelegende Kirlian Camera
sowie von den in den percussiv orientierten Neofolk/Military
einzuordnenden Camerata Mediolanense. So habe ich mich voller
freudiger Erwartung auf die beiden kleinen CD-R’s der
Römer BLACK SUN gestürzt, um meinem
Drang nach neuer Musik aus dem Land jenseits der Alpen nachzukommen.
Stilistisch fabriziert die bereits im Jahre 1994 von Luca Basili
gegründete Formation einen etwas eigenwilligen Mix aus
schnellem, monotonen und bass-drum-orientierten Darkelectro
und manchmal eher in die atmosphärischere Richtung gehenden
Elementen, die im Midtempobereich anzusiedeln sind. Dieser musikalische
Mischmasch wird durch männlichen wie weiblichen (Sprech-)Gesang
unterstützt, wobei gerade bei der weiblichen Stimme der
für Kirlian Camera so charakteristische italienische Akzent
glücklicherweise deutlich zum Tragen kommt und somit der
Musik BLACK SUN’s einen besonderen, manchmal
morbiden Charme verleiht.
Die beiden CD-R’s stehen am Ende einer längeren Liste
von Demoveröffentlichungen und beinhalten Songs, die zwischen
2003 und 2004 entstanden sind. Ich kann nicht sagen, dass eine
der beiden Scheiben besser ist, denn beide haben ihre Stärken
und Schwächen. Hängen geblieben sind bei mir die eher
langsameren Stücke wie Nothing, die The Mission
Coverversion Heaven Send You oder The Bleed.
Die schnelleren Songs sind oftmals phasenweise sehr monoton
und bewusst technoid gehalten, was im Zusammenhang mit der nicht
so optimalen Produktion (vor allem bei der Di Fersi
Morendo Eterni) einen dumpfen und ermüdenden
Sound ergibt und eher bemüht aber nicht wirklich mitreißend
rüberkommt: Da hämmert die Bassdrum oftmals einsam
und verloren. Auch ist das Songwriting häufig nicht sonderlich
ausgereift und die Klangstrukturen meines Erachtens häufig
sehr minimalistisch, wobei Letzteres natürlich auch als
bewusst eingesetztes Stilmittel zu interpretieren ist.
Alles in allem kann ich für die beiden Scheiben keine allgemeine,
uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, aber Fans
von (italienischem) Electro mit etwas eigenwilligem Charme sollten
ruhig ein Ohr riskieren.