Als
„Deutsch-Amerikanische Skandalband“ werden BIONIC
ANGEL im Infoblatt bezeichnet, was leicht abschreckend klingt,
denn was sich gerne als möglichst aufsehenerregend präsentiert,
ist oft nichts als eine Nullnummer in Phantasie-Uniformen. Doch
hier kann Entwarnung gegeben, Digital Violence
wird nicht als Flop in die Annalen der Musikgeschichte eingehen
– als „Art-Rock“ wie es das Presse-Info vollmundig
verkündigt allerdings auch nicht. Sänger The Juggernaut
gibt das Tier, er changiert zwischen einem aggressiven Bellen,
klarem Gesang und (seltenen) dunklen Growls, dass es eine Wonne
ist. Oder ein Gräuel. Wer mit derartiger Vokalakrobatik
nichts anzufangen weiß, wird wenig Freude an dem Album
haben, denn Juggernauts Sangeskünste nehmen einen breiten
Raum ein. Gerade die vielfachen aggressiven Vocals geben die
Marschrichtung vor: BIONIC ANGEL huldigen zwar satten,
eingängigen Melodien und bewegen sich in einem durchaus
massenkompatiblen Bereich zwischen dramatischem Gothic Rock,
dunklem Metal und elektronischer Pop-Musik, rauschen aber nicht
überzuckert ins Pathos wie die populäreren HIM, als
deren Vorgruppe sie Live unterwegs waren. Mit Another Day
ist ein clean gesungener Song an Bord, der eindeutig Hitpotenzial
hat, doch ist der näher an den unangepassten und wonniglichen
Momenten Depeche Modes dran, als an einem Absturz ins gotische
La-La-Land. Insgesamt weit davon entfernt, originell zu sein,
besonders Bitch Like You hat – bis auf den Text
– mehr als nur den Vorbildcharakter von den Sisters Of
Mercy entlehnt, setzen BIONIC ANGEL ihr Stückwerk
so gekonnt zusammen, dass einem Genuss ohne Reue wenig im Wege
steht. Auch als Beschallung eines dunkel gewandeten Tanzabends
kann das Album überzeugen.