BIONIC ANGEL – Digital Violence

 
Label: Schwarzdorn Production
Release: 25.07.2008
Von: Joking
Punkte: 7.5/10
Time: 63:13
Stil: Heavy Gothic Rock
URL: Bionic Angel
 
Als „Deutsch-Amerikanische Skandalband“ werden BIONIC ANGEL im Infoblatt bezeichnet, was leicht abschreckend klingt, denn was sich gerne als möglichst aufsehenerregend präsentiert, ist oft nichts als eine Nullnummer in Phantasie-Uniformen. Doch hier kann Entwarnung gegeben, Digital Violence wird nicht als Flop in die Annalen der Musikgeschichte eingehen – als „Art-Rock“ wie es das Presse-Info vollmundig verkündigt allerdings auch nicht. Sänger The Juggernaut gibt das Tier, er changiert zwischen einem aggressiven Bellen, klarem Gesang und (seltenen) dunklen Growls, dass es eine Wonne ist. Oder ein Gräuel. Wer mit derartiger Vokalakrobatik nichts anzufangen weiß, wird wenig Freude an dem Album haben, denn Juggernauts Sangeskünste nehmen einen breiten Raum ein. Gerade die vielfachen aggressiven Vocals geben die Marschrichtung vor: BIONIC ANGEL huldigen zwar satten, eingängigen Melodien und bewegen sich in einem durchaus massenkompatiblen Bereich zwischen dramatischem Gothic Rock, dunklem Metal und elektronischer Pop-Musik, rauschen aber nicht überzuckert ins Pathos wie die populäreren HIM, als deren Vorgruppe sie Live unterwegs waren. Mit Another Day ist ein clean gesungener Song an Bord, der eindeutig Hitpotenzial hat, doch ist der näher an den unangepassten und wonniglichen Momenten Depeche Modes dran, als an einem Absturz ins gotische La-La-Land. Insgesamt weit davon entfernt, originell zu sein, besonders Bitch Like You hat – bis auf den Text – mehr als nur den Vorbildcharakter von den Sisters Of Mercy entlehnt, setzen BIONIC ANGEL ihr Stückwerk so gekonnt zusammen, dass einem Genuss ohne Reue wenig im Wege steht. Auch als Beschallung eines dunkel gewandeten Tanzabends kann das Album überzeugen.