Schon der
erste Song der deutschen Melodic Deather BEHIND THE
SCENERY startet mit einem schönen und verspielten
Riff, als urplötzlich aggressiver Gesang einsetzt, der
im Verlauf der knappen Stunde Spielzeit variabel umgesetzt wird.
Gleiches kann ich auch von der Musik berichten, die nie vorhersehbar
wirkt und ständigen Wechseln in punkto Geschwindigkeit
und Stimmung unterworfen ist. Das zeigt schon, dass bei den
deutschen Todesmetallern Abwechslung groß geschrieben
wird.
Für ungetrübten Hörgenuss sorgen also die teils
thrashig gekreischten, teils geflüstert intonierten Vocals
von interessanten Tracks wie dem Opener und Titel gebenden Stück
Rétroviseur. Eine Gastsängerin steuert
einige Parts bei (passend zB im Track Queen Of The Swans,
in dem die weibliche Stimme sogar die Hauptrolle spielt). An
zehnter Stelle ist ein deutschsprachiger Song zu vernehmen,
Fassadenspiel betitelt, der vom Werteverlust in der
Gesellschaft handelt und musikalisch mit satten Riffs zu überzeugen
vermag. Ein Lied (Elevation) wird von Gastsängerin
Isabel in französischer Sprache dargeboten.
Doch auch die hörenswerten Melodien der beiden Saitenhexer
sind von gehobener Güte, die Gitarre wird meist in schnellen
Leads von der Leine gelassen; manchmal lockern Akustikpassagen
die Songs auf. Ruhige Verschnaufpausen haben auf Rétroviseur
genauso ihren Platz und so halten BEHIND THE SCENERY
die gesamte Spielzeit über eine gewisse Spannung aufrecht.
Was bisweilen fehlt, ist eine herausragende Melodie, das letzte
entscheidende i-Tüpfelchen, um einen guten Song zu einem
unverwechselbaren und großartigem Klangerlebnis werden
zu lassen. Doch diese CD verlangt nach eingehender Beschäftigung
und offenbart ihre tiefgehenden Stärken wohl erst nach
und nach. So verdienen für mich die meisten Kompositionen
das Prädikat „solide bis gut“, was mich für
das auf Rétroviseur folgende Album eine Steigerung erwarten
lässt!