BATHORY - Nordland I
Label: Black Mark
Release: 2002
Von: EquimanthorN
Punkte: 8,5
 

Man mag von Quorthon denken was man will, für Überraschungen ist der Mann jedenfalls immer gut - sei es durch abrupte Stilwechsel oder, wie in diesem Fall, durch eine Qualitätssteigerung, die ihm nach dem allseits verrissenen Destroyer Of Worlds (das meiner Meinung nach allerdings auch den einen oder anderen Geniestreich zu bieten hatte) wohl kaum jemand zugetraut hätte. So reiht sich Nordland I beinahe nahtlos zwischen den hinlänglich bekannten Meisterwerken aus BATHORYs ‚Viking'-Phase ein, wirkt geradezu wie die gebündelte Essenz jener drei Alben, denn es können sowohl treibende, an Bands wie Manowar angelehnte Riffs a la Blood On Ice als auch die epische Atmosphäre von Twilight Of The Gods vernommen werden. Und trotzdem ist Nordland alles andere als ein Aufguß von bereits Gehörtem, denn irgendwie hat es Quorthon geschafft, die Songs mehr als in der Vergangenheit beinahe hypnotisch dahinfließen zu lassen und sie zu einer Einheit zu verbinden, die zwar eine etwas längere Eingewöhungszeit erforderlich macht, danach aber für ein gehöriges Maß an hör- und spürbarer Tiefe sorgt - obwohl der Meister selbst da scheinbar anderer Meinung ist, wie man im Interview sehr schön nachlesen kann. Gelegentlich tauchen auch härtere, etwas an die ungeliebte Stumpf-Thrash-Phase der Band erinnernde Riffs auf und bringen etwas Abwechslung, können aber unterm Strich kaum Akzente setzen und hätten für meinen Geschmack auch ruhig weggelassen werden können. Ein echter Minuspunkt sind dagegen die gelegentlichen vokalen Ausrutscher - während der etwas gequälte Gesang bei Broken Sword noch im Rahmen bleibt und der Manowar-lastigen Nummer nicht wirklich schaden kann, weckt Great Hall Awaits A Fallen Brother dann doch leichte Erinnerungen an diverse stimmliche Destroyer Of Worlds - Tiefpunkte, was vor allem angesichts der ansonsten tadellosen stimmlichen Leistung unverständlich bleibt. Ein weiterer, schwerwiegenderer Grund, um eine Bewertung in astronomischen Höhen zu verweigern, ist die Abwesenheit jenes Quentchens Genialität, das den klassischen BATHORY-Alben in der Vergangenheit stets Unsterblichkeitsstatus verliehen hat, denn irgendwie fehlen letztlich doch die ganz großen Höhepunkte, die den Hörer auf Anhieb vor Erfurcht erstarren lassen. Das ändert aber kaum etwas an der Tatsache, daß Nordland nach einer beinahe 10-jährigen ‚Reorientierungsphase' (Blood On Ice wurde bekanntlich schon in den späten 80ern geschrieben...) unzweifelhaft als Rückbesinnung auf alte Stärken gesehen werden kann und die Zukunft von BATHORY erstmals wieder in einem etwas helleren Licht erstrahlen läßt - zumindest für die nächsten paar Monate, bis das Kapitel mit dem im Frühjahr erscheinenden zweiten Teil abgeschlossen wird und Quorthon wieder zu neuen Ufern aufbricht. Das im Interview skandierte ‚There are no rules.' kann in diesem Zusammenhang wahlweise als Versprechen oder Drohung aufgefaßt werden...

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