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Man mag von
Quorthon denken was man will, für Überraschungen ist der Mann
jedenfalls immer gut - sei es durch abrupte Stilwechsel oder,
wie in diesem Fall, durch eine Qualitätssteigerung, die ihm nach
dem allseits verrissenen Destroyer Of Worlds (das
meiner Meinung nach allerdings auch den einen oder anderen Geniestreich
zu bieten hatte) wohl kaum jemand zugetraut hätte. So reiht sich
Nordland I beinahe nahtlos zwischen den hinlänglich
bekannten Meisterwerken aus BATHORYs ‚Viking'-Phase ein,
wirkt geradezu wie die gebündelte Essenz jener drei Alben, denn
es können sowohl treibende, an Bands wie Manowar angelehnte Riffs
a la Blood On Ice als auch die epische Atmosphäre
von Twilight Of The Gods vernommen werden. Und trotzdem
ist Nordland alles andere als ein Aufguß von bereits
Gehörtem, denn irgendwie hat es Quorthon geschafft, die Songs
mehr als in der Vergangenheit beinahe hypnotisch dahinfließen
zu lassen und sie zu einer Einheit zu verbinden, die zwar eine
etwas längere Eingewöhungszeit erforderlich macht, danach aber
für ein gehöriges Maß an hör- und spürbarer Tiefe sorgt - obwohl
der Meister selbst da scheinbar anderer Meinung ist, wie man im
Interview sehr schön nachlesen kann. Gelegentlich tauchen auch
härtere, etwas an die ungeliebte Stumpf-Thrash-Phase der Band
erinnernde Riffs auf und bringen etwas Abwechslung, können aber
unterm Strich kaum Akzente setzen und hätten für meinen Geschmack
auch ruhig weggelassen werden können. Ein echter Minuspunkt sind
dagegen die gelegentlichen vokalen Ausrutscher - während der etwas
gequälte Gesang bei Broken Sword noch im Rahmen bleibt
und der Manowar-lastigen Nummer nicht wirklich schaden kann, weckt
Great Hall Awaits A Fallen Brother dann doch leichte Erinnerungen
an diverse stimmliche Destroyer Of Worlds - Tiefpunkte,
was vor allem angesichts der ansonsten tadellosen stimmlichen
Leistung unverständlich bleibt. Ein weiterer, schwerwiegenderer
Grund, um eine Bewertung in astronomischen Höhen zu verweigern,
ist die Abwesenheit jenes Quentchens Genialität, das den klassischen
BATHORY-Alben in der Vergangenheit stets Unsterblichkeitsstatus
verliehen hat, denn irgendwie fehlen letztlich doch die ganz großen
Höhepunkte, die den Hörer auf Anhieb vor Erfurcht erstarren lassen.
Das ändert aber kaum etwas an der Tatsache, daß Nordland
nach einer beinahe 10-jährigen ‚Reorientierungsphase' (Blood
On Ice wurde bekanntlich schon in den späten 80ern geschrieben...)
unzweifelhaft als Rückbesinnung auf alte Stärken gesehen werden
kann und die Zukunft von BATHORY erstmals wieder in einem
etwas helleren Licht erstrahlen läßt - zumindest für die nächsten
paar Monate, bis das Kapitel mit dem im Frühjahr erscheinenden
zweiten Teil abgeschlossen wird und Quorthon wieder zu neuen Ufern
aufbricht. Das im Interview skandierte ‚There are no rules.' kann
in diesem Zusammenhang wahlweise als Versprechen oder Drohung
aufgefaßt werden...
Twilight
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