Schon
das auf der Akustikgitarre gezupfte Einleitungs- und Einstimmungsstück
The Rise lässt mich aufhorchen, ist es doch schon
wirklich richtungweisend für das passend betitelte zweite
Album der israelischen Künstler ARAFEL.
Das Tempo ist über weite Strecken recht hoch, doch im Hintergrund
spannen sich feine Melodiebögen, die durch die Verwendung
eine Violine den Folk-Anteil einbringen. Die Kompositionsweise
erinnert an die russische Band Tvangeste und nicht ganz überraschend
hatte auch deren Sänger Miron seine Hände als Gastsänger
im Spiel. Die Gitarren sind aber auch allgegenwärtig und
so entsteht eine geniale Mischung aus treibender Gitarrenkraft
und tanzbaren Folkrhythmen, die zu begeistern weiß. Im
Herzstück The Saga Of The Vengeance spielen ARAFEL
ihre ganze Klasse aus. In elf Minuten haben sehr viele Details
Platz und so wird dieses überlange Stück niemals langweilig,
sondern lädt auf eine Entdeckungsfahrt ein, die jedes Mal
wieder neue Schätze zu Tage fördert. Konzentriertes
Zuhören ist hier gefragt, als Hintergrundberieselung würde
ich The Second Strike nicht empfehlen,
das würde der detailverliebten Musik auch nicht gerecht
werden. Die Musik zeigt sich als vielschichtiges und komplexes
Konstrukt und kann schon mal den einen oder anderen Knoten im
Gehörgang verursachen. Eine Geigenmelodie oder ein akustisches
Zwischenspiel lösen die gespannte und komplizierte Angelegenheit
aber wieder in Wohlgefallen auf. Dennoch verliert die Band hin
und wieder den roten Songwriting-Faden und mutet ein bisschen
konfus an. Auch das Keyboard hat seinen Platz in der musikalischen
Welt von ARAFEL, es wird virtuos als Melodie
führendes Element oder zur atmosphärischen Untermalung
eingesetzt.
So bleiben am Schluss sehr viele positive Eindrücke im
Gedächtnis, viele angenehme Folkmelodien, Gitarrepower
und gut variierte Geschwindigkeit; dem einen oder anderen Hörer
dürfte die vieldimensionale Herangehensweise aber schwer
im Magen liegen, es ist ein gewisses Maß an Geduld notwendig,
um The Second Strike: Through The Flame Of The Ages
erfassen und genießen zu können. Lohnenswert ist
es bestimmt!