Schon im
Januar brachte die in ihrem Heimatland schon sehr bekannte progressive
Power Metal Band ALOGIA aus Serbien ihren Longplayer
Secret Spheres Of Art für den
europäischen Markt heraus.
Von den Brüdern Miroslav und Sdrjan Brankovic im Jahr 2000
gegründet, spielten ALOGIA für das
Label One Records schon zwei Alben in serbischer Sprache ein,
so dass es kein Wunder ist, dass das neue Album absolut professionell
daherkommt. Außerdem sammelten die Bandmitglieder schon
über mehrere Jahre hinweg musikalische Erfahrungen in diversen
Bands wie Hexagram, Draconic oder Psychoparadox.
Kreativ
ist schon der Name der Band. ALOGIA heißt
wörtlich Sprachlosigkeit. In der Medizin/Psychologie wird
mit ALOGIA ein Symptom der Schizophrenie, nämlich
die Blockade der Sprache oder auch die Unfähigkeit sich
korrekt auszudrücken beschrieben. Interessant an der Namensgebung
ist, dass es sich ja hier wirklich um eine Band handelt, die
virtuos und einfallsreich sowohl mit Worten als auch mit der
Musik umgeht, also alles andere als sprachlos ist – das
ist doch irgendwie in sich schon schizophren ;)
Musikalisch
orientieren sich ALOGIA nach eigenen Angaben
an westlichen Bands wie Judas Priest, Iron Maiden oder Helloween,
doch sind progressive Einflüsse à la Dream Theater
oder Arcturus nicht von der Hand zu weisen. Außerdem lassen
ALOGIA auch traditionelle Elemente aus orientalischer
Musik oder aber schottischer Folklore einfließen.
Dass diese Mischung nicht hoffnungslos verwirrt klingt, sondern
sich ganz im Gegenteil zu einem regelrechten Ohrenschmaus entwickelt,
spricht für das Können der Musiker und unterstreicht
die Tatsache, dass sie zu den besten und virtuosesten ihres
Landes gezählt werden.
Die Songs sind unorthodox und innovativ geschrieben und sind
in jeder Sekunde spannend. Unerwartete Rhythmenwechsel, Brüche
und der intelligente Einsatz von elektronischen Klängen,
aber auch kleine Zitate von allgemein bekannten Melodien zeugen
von Einfallsreichtum, Humor und dem anderen kulturellen Background
von ALOGIA.
Das Album
Secret Spheres Of Art ist die englische
Version des ersten ALOGIA Albums Price
o Vremenu (aufgenommen 2000). Gitarrist Srdjan
sagte in einem Interview, dass wirklich nur die Lyrics ins Englische
übertragen wurden und alles Andere blieb, wie auf der ursprünglichen
serbischen Release.
Man kann spüren, wenn man sich Secret Spheres Of Art anhört,
dass es sehr viel Wut ausdrückt – es ist unwahrscheinlich
druckvoll und schnell – aber es zeichnet sich auch durch
eine hoffnungsvolle Grundstimmung aus. Beides ist direkt darauf
zurückzuführen, dass es kurz nach dem letzten Krieg
in Serbien entstanden ist und die Gefühle der damals noch
sehr jungen Musiker wiederspiegelt.
Opener und
Titelsong Secret Spheres ist mit Abstand der längste
und geht direkt kraftvoll und aggressiv, aber mit kleinen Überraschungen
ins Ohr. Alle anderen Titel sind leider wesentlich kürzer,
fast alle bleiben unter vier Minuten. Es wäre spannend
gewesen zu erfahren, wie sich z.B. ein Instrumentalstück
wie Kontinuum über eine längere Zeitspanne
entwickelt hätte. Auch fragwürdig ist der wiederholte
Einsatz von sehr kurzen instrumentalen Intermezzi (Journey
Into The Dawn Of Life, Mystica Aegyptiorum, Astral Horizons
und Overture Solemnis), deren gute Ansätze überhaupt
keine Chance haben, sich zu entwickeln. Oder stehen sie für
all die Potentiale, die durch Kriege im Keim erstickt werden?
Na, die Interpretation geht vielleicht doch zu weit.
Ans Herz geht die Ballade Lament, doch ohne in überflüssige
Sentimentalität abzugleiten. Eingängig und irgendwie
klassisch ist Falling Asleep, das stellenweise gleichförmig
zu werden schient, was die Band aber durch kleine Raffinessen
vor allem in der Gesangsführung zu verhindern weiß.
Manchmal scheinen ALOGIA jedoch zu viel zu
wollen, dann wirkt das ungeheuer schnelle, fast hektische Spiel
der Musiker fast unsauber und auch Sänger Nikola Mijik
täte manchmal besser daran, nicht ganz so hoch hinaus zu
wollen wie Kai Hansen, Ralf Scheepers oder Timo Kotipelto.
Es dürften
wohl viele, die sich für die oben erwähnten Bands
erwärmen können, mit Secret Spheres Of
Art ihre reine Freude haben.
Wir haben hier wieder einen Beweis dafür, wie universell
gute Musik ist und ALOGIA werden sich damit
bestimmt einen festen Platz in der europäischen, wenn nicht
sogar in der weltweiten Metal-Gemeinde erobern. Keine Frage
also, dass Secret Spheres Of Art mit
8/10 ganz oben mitmischt.
Man kann
sich auch schon mal auf das nächste Release dieser Band
freuen. Es soll die englische Version ihres zweiten Albums sein,
das noch progressiver und nicht mehr ganz so nah am Power Metal
zu sein scheint.