ALOGIA – Secret Spheres Of Art

 
Label: Locomotive
Release: 24.01.2005
Von: moonchild
Punkte: 8/10
Time: 43:47
Stil: Progressive Power Metal
URL: Alogia
 

Schon im Januar brachte die in ihrem Heimatland schon sehr bekannte progressive Power Metal Band ALOGIA aus Serbien ihren Longplayer Secret Spheres Of Art für den europäischen Markt heraus.
Von den Brüdern Miroslav und Sdrjan Brankovic im Jahr 2000 gegründet, spielten ALOGIA für das Label One Records schon zwei Alben in serbischer Sprache ein, so dass es kein Wunder ist, dass das neue Album absolut professionell daherkommt. Außerdem sammelten die Bandmitglieder schon über mehrere Jahre hinweg musikalische Erfahrungen in diversen Bands wie Hexagram, Draconic oder Psychoparadox.

Kreativ ist schon der Name der Band. ALOGIA heißt wörtlich Sprachlosigkeit. In der Medizin/Psychologie wird mit ALOGIA ein Symptom der Schizophrenie, nämlich die Blockade der Sprache oder auch die Unfähigkeit sich korrekt auszudrücken beschrieben. Interessant an der Namensgebung ist, dass es sich ja hier wirklich um eine Band handelt, die virtuos und einfallsreich sowohl mit Worten als auch mit der Musik umgeht, also alles andere als sprachlos ist – das ist doch irgendwie in sich schon schizophren ;)

Musikalisch orientieren sich ALOGIA nach eigenen Angaben an westlichen Bands wie Judas Priest, Iron Maiden oder Helloween, doch sind progressive Einflüsse à la Dream Theater oder Arcturus nicht von der Hand zu weisen. Außerdem lassen ALOGIA auch traditionelle Elemente aus orientalischer Musik oder aber schottischer Folklore einfließen.
Dass diese Mischung nicht hoffnungslos verwirrt klingt, sondern sich ganz im Gegenteil zu einem regelrechten Ohrenschmaus entwickelt, spricht für das Können der Musiker und unterstreicht die Tatsache, dass sie zu den besten und virtuosesten ihres Landes gezählt werden.
Die Songs sind unorthodox und innovativ geschrieben und sind in jeder Sekunde spannend. Unerwartete Rhythmenwechsel, Brüche und der intelligente Einsatz von elektronischen Klängen, aber auch kleine Zitate von allgemein bekannten Melodien zeugen von Einfallsreichtum, Humor und dem anderen kulturellen Background von ALOGIA.

Das Album Secret Spheres Of Art ist die englische Version des ersten ALOGIA Albums Price o Vremenu (aufgenommen 2000). Gitarrist Srdjan sagte in einem Interview, dass wirklich nur die Lyrics ins Englische übertragen wurden und alles Andere blieb, wie auf der ursprünglichen serbischen Release.
Man kann spüren, wenn man sich Secret Spheres Of Art anhört, dass es sehr viel Wut ausdrückt – es ist unwahrscheinlich druckvoll und schnell – aber es zeichnet sich auch durch eine hoffnungsvolle Grundstimmung aus. Beides ist direkt darauf zurückzuführen, dass es kurz nach dem letzten Krieg in Serbien entstanden ist und die Gefühle der damals noch sehr jungen Musiker wiederspiegelt.

Opener und Titelsong Secret Spheres ist mit Abstand der längste und geht direkt kraftvoll und aggressiv, aber mit kleinen Überraschungen ins Ohr. Alle anderen Titel sind leider wesentlich kürzer, fast alle bleiben unter vier Minuten. Es wäre spannend gewesen zu erfahren, wie sich z.B. ein Instrumentalstück wie Kontinuum über eine längere Zeitspanne entwickelt hätte. Auch fragwürdig ist der wiederholte Einsatz von sehr kurzen instrumentalen Intermezzi (Journey Into The Dawn Of Life, Mystica Aegyptiorum, Astral Horizons und Overture Solemnis), deren gute Ansätze überhaupt keine Chance haben, sich zu entwickeln. Oder stehen sie für all die Potentiale, die durch Kriege im Keim erstickt werden? Na, die Interpretation geht vielleicht doch zu weit.
Ans Herz geht die Ballade Lament, doch ohne in überflüssige Sentimentalität abzugleiten. Eingängig und irgendwie klassisch ist Falling Asleep, das stellenweise gleichförmig zu werden schient, was die Band aber durch kleine Raffinessen vor allem in der Gesangsführung zu verhindern weiß.
Manchmal scheinen ALOGIA jedoch zu viel zu wollen, dann wirkt das ungeheuer schnelle, fast hektische Spiel der Musiker fast unsauber und auch Sänger Nikola Mijik täte manchmal besser daran, nicht ganz so hoch hinaus zu wollen wie Kai Hansen, Ralf Scheepers oder Timo Kotipelto.

Es dürften wohl viele, die sich für die oben erwähnten Bands erwärmen können, mit Secret Spheres Of Art ihre reine Freude haben.
Wir haben hier wieder einen Beweis dafür, wie universell gute Musik ist und ALOGIA werden sich damit bestimmt einen festen Platz in der europäischen, wenn nicht sogar in der weltweiten Metal-Gemeinde erobern. Keine Frage also, dass Secret Spheres Of Art mit 8/10 ganz oben mitmischt.

Man kann sich auch schon mal auf das nächste Release dieser Band freuen. Es soll die englische Version ihres zweiten Albums sein, das noch progressiver und nicht mehr ganz so nah am Power Metal zu sein scheint.