AEBA – Kodex V

 
Label: Twilight Records
Release: 25.04.2008
Von: Stormlord
Punkte: 9.5/10
Time: 66:06
Stil: Black Metal
URL: Aeba
 
Schon bei der mit klassischen Zitaten gespickten Einleitung Lux Ex Tenebris, die sich nach und nach fulminant steigert, lässt sich erahnen, dass es sich bei Kodex V um ein besonderes Album handelt.

AEBA schaffen es auf diesem Werk nämlich, äußerst viele Ideen und Elemente in ihre Kompositionen zu verpacken, ohne chaotisch zu klingen. Auch mit dem Tempo können die musikalischen Artisten hervorragend jonglieren und bringen alles von rasend schnell bis entspannend ruhig unter einen Hut. Diese Herangehensweise zeigt schon das recht lange Stück More Than Hate, das dem Titel gemäß auch weit mehr als nur Geprügel bietet. Zu Beginn servieren uns AEBA ein Midtemporiff, begleitet von der gut verständlichen, aber sehr harschen Stimme Isegrims, der im Verlauf des Liedes auf Deutsch und Englisch singt. Klar geht es zwischendurch sehr schnell zur Sache, doch sorgt etwa ein kurzes Basssolo für Spannung und Abwechslung. Die Melodien sind es jedoch, die diese Platte zu einem wahren Hörvergnügen machen – sie ziehen sich konstant in filigraner Manier durch die detailverliebt arrangierten Songs. Gekonnt werden auch immer wieder schleppende, zum Headbangen bestens geeignete Teile eingebaut. Deshalb dürfte die Umsetzung auf den Bühnen dieser Welt eine besonders Freude sein – sowohl für die Band als auch die Fans.
Traditioneller gibt sich anschließend Nemesis – Lass Sie Brennen, denn hier regiert der Prügel aus dem Sack, ohne die Melodien vollends zu vergessen. Doch halt, auch hier lockert ein Break samt mittelschnellen Rhythmen die Struktur auf und überrascht wiederum.
Ein sehr ruhiger Einstieg mit verfremdetem Sprechgesang veredelt Seven Souls, bevor mit einem erneuten kurzen Basssolo der apokalyptische Sturm losbricht. Hier streut die Band einen markanten, intensiv gekreischten Refrain ein und lässt kurz sogar eine orientalisch anmutende Gitarrenmelodie aufblitzen. An allen Ecken und Enden sind also feine Elemente eingestreut, die zu einer lohnenden akustischen Entdeckungsreise einladen.
Die Horde vermag sich gegen Ende von Kodex V immer mehr in einen wahren Rausch zu spielen und wird mit zunehmender Spielzeit noch verspielter und kreativer. Dies belegt exemplarisch das tödlich groovende The God Below mit unheilvoller Stimmung und interessantem, recht getragenem Mittelteil. Elegische Gitarrenmelodien lassen aufhorchen und bereiten den Weg für einen bombastischen Ausklang nach knapp 9 faszinierenden Minuten.
Das Finale mit King Or Slave verdient dann das Prädikat Weltklasse, denn der zupackende Black Metal der fünf Musiker nötigt mir größten Respekt ab. Vor allem die melodische und dennoch irrwitzige Gitarrenarbeit gefällt mir sehr. Nach halsbrecherischem Gemetzel fesselt ein stampfender und bombastischer Mittelteil; das Ende des Liedes bestimmt zum wiederholten Bassist Exul mit markantem Spiel.
Schade nur, dass zur Streckung der Spielzeit auf teuflische 66:06 Minuten :) die letzten Takte nur mehr aus fiependen Geräuschen bestehen.

Das ist aber auch der einzige Schönheitsfehler – abgesehen davon ist Kodex V ein überzeugendes, überraschendes und sogar überragendes Meisterwerk!