AEBA schaffen
es auf diesem Werk nämlich, äußerst viele
Ideen und Elemente in ihre Kompositionen zu verpacken, ohne
chaotisch zu klingen. Auch mit dem Tempo können die musikalischen
Artisten hervorragend jonglieren und bringen alles von rasend
schnell bis entspannend ruhig unter einen Hut. Diese Herangehensweise
zeigt schon das recht lange Stück More Than Hate,
das dem Titel gemäß auch weit mehr als nur Geprügel
bietet. Zu Beginn servieren uns AEBA ein Midtemporiff,
begleitet von der gut verständlichen, aber sehr harschen
Stimme Isegrims, der im Verlauf des Liedes auf Deutsch und
Englisch singt. Klar geht es zwischendurch sehr schnell zur
Sache, doch sorgt etwa ein kurzes Basssolo für Spannung
und Abwechslung. Die Melodien sind es jedoch, die diese Platte
zu einem wahren Hörvergnügen machen – sie
ziehen sich konstant in filigraner Manier durch die detailverliebt
arrangierten Songs. Gekonnt werden auch immer wieder schleppende,
zum Headbangen bestens geeignete Teile eingebaut. Deshalb
dürfte die Umsetzung auf den Bühnen dieser Welt
eine besonders Freude sein – sowohl für die Band
als auch die Fans.
Traditioneller gibt sich anschließend Nemesis –
Lass Sie Brennen, denn hier regiert der Prügel aus
dem Sack, ohne die Melodien vollends zu vergessen. Doch halt,
auch hier lockert ein Break samt mittelschnellen Rhythmen
die Struktur auf und überrascht wiederum.
Ein sehr ruhiger Einstieg mit verfremdetem Sprechgesang veredelt
Seven Souls, bevor mit einem erneuten kurzen Basssolo
der apokalyptische Sturm losbricht. Hier streut die Band einen
markanten, intensiv gekreischten Refrain ein und lässt
kurz sogar eine orientalisch anmutende Gitarrenmelodie aufblitzen.
An allen Ecken und Enden sind also feine Elemente eingestreut,
die zu einer lohnenden akustischen Entdeckungsreise einladen.
Die Horde vermag sich gegen Ende von Kodex V
immer mehr in einen wahren Rausch zu spielen und wird mit
zunehmender Spielzeit noch verspielter und kreativer. Dies
belegt exemplarisch das tödlich groovende The God
Below mit unheilvoller Stimmung und interessantem, recht
getragenem Mittelteil. Elegische Gitarrenmelodien lassen aufhorchen
und bereiten den Weg für einen bombastischen Ausklang
nach knapp 9 faszinierenden Minuten.
Das Finale mit King Or Slave verdient dann das Prädikat
Weltklasse, denn der zupackende Black Metal der fünf
Musiker nötigt mir größten Respekt ab. Vor
allem die melodische und dennoch irrwitzige Gitarrenarbeit
gefällt mir sehr. Nach halsbrecherischem Gemetzel fesselt
ein stampfender und bombastischer Mittelteil; das Ende des
Liedes bestimmt zum wiederholten Bassist Exul mit markantem
Spiel.
Schade nur, dass zur Streckung der Spielzeit auf teuflische
66:06 Minuten :) die letzten Takte nur mehr aus fiependen
Geräuschen bestehen.
Das ist aber auch
der einzige Schönheitsfehler – abgesehen davon
ist Kodex V ein überzeugendes, überraschendes
und sogar überragendes Meisterwerk!